Gastbeitrag

Beleuchtung öffentlicher Räume zur Weihnachtszeit

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Weihnachtsbeleuchtung in Köln

Wir haben ein Interview mit der Lichtdesignerin Ulrike Brandi geführt und sie zur Beleuchtung öffentlicher Räume in der Weihnachtszeit befragt.

Zu Weihnachten werden viele öffentliche Stadträume künstlich beleuchtet. Was empfehlen Sie für eine qualitätvolle Planung dieser Lichtinstallationen, wie kann man Fehler vorbeugen?

Viele Menschen freuen sich über Weihnachtsbeleuchtung wie Kinder und erleben damit die knisternde Vorfreude und die gemütliche Winterstimmung im Dezember. Ich bin im Laufe meiner Berufsjahrzehnte milder in Bezug auf Kitsch geworden, aber Lieblosigkeit im Detail und belangloses Einerlei mag ich weiterhin nicht. Um Baumkronen herumgewurschtelte Lichterketten sind Verunstaltung, komplett in Lichtnetze eingepackte Baumstämme und Äste wirken wie Pflanzen in Verbandszeug. Die Tatsache, dass die Wahl der „falschen“ Lichtfarbe die Bürger:innen erzürnt, hat schon die Kaufmannschaft der Bahnhofstraße in Zürich zu spüren gekommen, um dann nach zwei Jahren eine teure Weihnachtsbeleuchtung gegen eine neue, in wärmerer Lichtfarbe strahlende auszutauschen. In diesem Wechsel stellte sich ein Wettbewerb unter Künstlern als eine gute Vorgehensweise heraus, um Qualität zu schaffen.

Für eine künstlerische Qualität – denn Weihnachtsbeleuchtung bietet ja durchaus die Chance, ein traditionelles Lichtthema künstlerisch und neu zu verwirklichen – sollten nicht Lichttechniklieferanten als Entwerfer auftreten.
Gerade für die Weihnachtsbeleuchtung gilt: less light is more light. Überstrahlende, überladene Beleuchtungselemente sind Stimmungskiller. Ein durchdachtes Lichtkonzept könnte sogar die Schaufensterbeleuchtung einer Einkaufsstraße herunterdimmen, um eine festliche Weihnachtsatmosphäre zu schaffen.

Sollte es in Zukunft mehr gesetzliche Einschränkungen/ Gremien geben, um eine generelle Überbelichtung zu vermeiden?

Wir wissen, dass Überbelichtung nicht nur in der Weihnachtszeit der Welt schadet. Es ist daher gut, Einschränkungen auf alle Jahreszeiten bezogen gemeinsam zu entwickeln. Ein Lichtbeirat kann Fachwissen einbringen und guter Begleiter in partizipativen Prozessen sein. Ich plädiere immer dafür, lebendige Gremien und Veranstaltungen mit Bürger:innen und Entscheidenden kontinuierlich zu finanzieren und öffentlich zu fördern. Nur dadurch entsteht eine gute Kultur im Umgang mit öffentlichem Licht. In der Stadtplanung setzt sich Bürgerbeteiligung stärker durch, da sollten wir das besondere Spaßthema Licht nicht auslassen.

So finden sich gemeinsam vereinbarte Restriktionen und Vereinbarungen gerade auch für Werbe-Licht, denn hier entstehen mit scheinbar omnipotenter Technik neue Begehrlichkeiten, beispielsweise, was bewegtes Licht anbetrifft.

Gibt es eine Stadt, die Ihrer Meinung nach beispielhafte Weihnachtsbeleuchtung hat?

Städte und die neuesten Entwicklungen bezüglich der Weihnachtsbeleuchtung konnte ich ja wegen COVID-19 nicht anschauen. Ich war aber für ein Projekt in Bremen, der dortige Lichtmasterplan der Innenstadt kommt aus unserer Feder. Es war eine Wohltat, zu sehen, wie der Weihnachtsmarkt mit seinen Lichtern in das Ambiente der zurückhaltend beleuchteten schönen Fassaden passt.

Hier noch das Beispiel einer Organisation, die sich dem guten öffentlichen Licht unter allen Aspekten, auch dem der Rücksicht auf die Umwelt und die Nacht widmet: „Lucia, Lighting the Baltic Sea Region“ ist ein Projekt der EU, das die Anrainer der Ostsee verbindet. Lucia pflegt einen regen Austausch, veranstaltet Beispielprojekte unter Bürgerbeteiligung und vernetzt die Ämter der teilnehmenden Städte gut, um Synergieeffekte bezüglich gesammelter Erfahrung und Wissens zu schaffen. Das gelingt hier auf vorbildliche Weise.

ULRIKE BRANDI LICHT
Lichtplanung und Leuchtenentwicklung GmbH Stadtdeich 27, 20097 Hamburg
http://www.ulrike-brandi.de
 

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