Leichtbeton als Werkstoff

Wohnen im Infraleichtbeton

Aufbau
Bei der Errichtung dieses Wohnhauses wird Infraleichtbeton, also sehr leichter Beton, erstmalig für die tragenden Außenwände und gleichzeitig zur Wärmedämmung eingesetzt. Der damit einhergehende Verzicht auf Kerndämmung ermöglicht, dass die tragende Außenhülle wieder in monolithischer Bauweise erfolgen kann, welche zukünftig dauerhafte, nachhaltige und ansprechende Sichtbetonbauten verspricht.

Ausgangsituation
Angeregt durch Versuche mit Blähglas und Blähton als Zuschläge für wärmedämmenden Leichtbeton (Haus des Architekten Patrick Gartmann in Chur) und aufbauend auf Erkenntnissen mit leichten Blähtonrezepturen (Forschung von Prof. Christian Thienel) , haben die Fachgebiete „Massivbau“ und „Baustoffe und Baustoffprüfung“ der Technischen Universität Berlin im Sommer 2006 gemeinsam begonnen eine Rezeptur für Infraleichtbeton zu entwickeln.

Ziel bzw. zentrale Fragestellung des Projekts
Lässt sich mit Infraleichtbeton tatsächlich bauen? Wie wirkt sich dieser neue Werkstoff, also tragende Wärmedämmung, auf Entwurf und konstruktive Durchbildung aus?

Planungsprozess
Das Ergebnis der Arbeiten an der TU Berlin ist eine Rezeptur bei der nur Wasser, Zement, Blähtonzuschläge und Luftporenbildner zum Einsatz kommen. Der Beton erreicht Festigkeiten, die an diejenigen eines Leichtbetons LC8/9 heranreichen. Die wichtigsten Ziele, nämlich eine geschlossene sichtbetontypische Oberfläche, eine Trockenrohdichte von ρtr<800kg/m3 und eine Wärmeleitfähigkeit von λ<0,2W/mK im gedarrten Zustand werden im Labor mittlerweile problemlos erreicht. Durch die Zugabe von Blähtonkügelchen sowie anderer Zuschlagstoffe, u. a. eines Luftporenbildners konnte ein Beton hergestellt werden, der bei einer Rohdichte von unter 800 kg/m3 eine Wärmeleitfähigkeit von Lambda = 0,181W/mK erreicht. Die Würfeldruckfestigkeit liegt bei >7,0 N/mm2. Zur Vermeidung von konventioneller (wärmeleitender) Stahlbewehrung, wurde lediglich eine Rissbewehrung aus Glasfaserstäben eingesetzt. Zum Feuchtigkeitsschutz wurde eine unsichtbare Hydrophobierung aufgetragen. Somit wurde mit den 50cm starken Außenwänden ein U-Wert von 0,341 W/m2K erreicht, der einen Verzicht auf zusätzliche wärmedämmende Schichten aus Fasern oder Hartschäumen auf den Wandoberflächen erlaubte.

Ergebnis
Der Werkstoff ist mittlerweile deutlich weiterentwickelt worden und hat das Potential, zukünftig im Baugeschehen eine zunehmend wichtige Rolle zu spielen.

Dieses Projekt wurde im Rahmen der Baukulturwerkstatt "Wohnungsbau der Zukunft" in Iphofen diskutiert.

Fertigstellung 06.2007
Planungszeitraum 06.2006
Auftraggeber Bauherr: Prof. Dr. Mike Schlaich, Dipl. Ing. A. Schlaich
Architekt / Planer

Prof. Dr. Mike Schlaich, Dipl. Ing. A. Schlaich

Planungsbeteiligte ARGE Bonnen + A. Schlaich Mike Schlaich, Lars Werner, Berlin (Tragwerksplaner), Liapor GmbH & Co KG, Hallendorf-Pautzfeld (Baustoffe)
Größe / Fläche 250 qm BGF
Nutzungen
Wohnen
Kultur