Aschersleben

Vor dem Abbruch gerettet

© qbatur, Steffen Spitzner
Straßenseite nachher
© qbatur, Steffen Spitzner
Gartenseite nachher
© qbatur, Steffen Spitzner
Wohnraum nachher
© qbatur, Steffen Spitzner
vorher

Der historische Stadtkern von Aschersleben leidet unter Leerstand und Verfall. Die Jahreszahl 1697 in der Fassade und der bestehende Denkmalschutz hätten auch dieses kleine Haus nicht vor dem Abriss bewahrt, wäre nicht die Familie Einecke aufgetaucht. Im Ort aufgewachsen, erkannten sie den Reiz des alten Fachwerkhauses, das zugleich zentral und im Grünen liegt.

Mit Hilfe von Fachleuten reparierten sie die erhaltenswerte Bausubstanz, wobei auch alte Balken und Ziegel aus Abbruchhäusern Verwendung fanden. Der rückwärtige Teil des Anwesens war aber nicht zu halten und wurde durch einen zierlichen zweistöckigen Neubau ersetzt. Quaderförmig ragt er seitlich in den Wohnraum und öffnet sich vollverglast zum Garten auf der Südseite.

Alt und Neu verbinden sich so zu einem neuen Ganzen. Die lichten, offenen Wohnräume stehen im spannenden Kontrast zur weitgehend original erhaltenen Diele mit zum Teil restaurierten Türen und Kastenfenstern. Im Obergeschoss konnte sogar ein Dielenboden aus der Bauzeit aufgearbeitet werden.

Der Anbau ist eine Massivholzkonstruktion, die innen sichtbar geblieben ist, außen aber mit alten Backsteinen verkleidet wurde. Die Gefache sind innen mit Weichfaserplatten gedämmt und mit Lehm verputzt. Das alte Gebälk, krumm und voller Narben, verleiht den Räumen eine unverwechselbare Aura.

Um mehr potentielle Bauherren vom Reiz einer solchen Rettungsaktion zu überzeugen, öffnen die Eineckes immer wieder ihr Haus für Interessierte. Ja, ein solches Vorhaben macht viel Arbeit und kann lange dauern. Auch lassen sich die Baukosten im Vorfeld nicht exakt kalkulieren. „Das alles war uns klar, aber das war es wert," berichtet das Paar. „Wir möchten mit unserem Haus motivieren, es uns nachzumachen. Jedes sanierte Fachwerkhaus im Stadtkern trägt dazu bei, Baukultur fortzuschreiben und das unverwechselbare Gesicht der Städte zu erhalten.“

Auszeichnung

Baupreis Aschersleben 2018, Hannes Meyer-Preis 2018, lobende Erwähnung

Fertigstellung 2017 (2. Hälfte 17. Jahrhundert)
Auftraggeber Gesine und Adrian Einecke
Architekt / Planer qbatur Planungsgenossenschaft, Quedlinburg
Größe / Fläche 160 m2 + 40m2 Nebenflächen
Baukosten brutto 245.000 €
Nutzungen Wohnen
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