Frankfurter Osten

Umbau als Stadtbaustein

© Johannes Vogt
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© Mäckler Architekten, Markus Motz
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Adressbildung – so nennen Stadtforscher die Strategie, Gebäude durch Architektur unverwechselbar zu machen. Das kann, wie dieses Beispiel zeigt, mit ganz einfachen, altvertrauten Mitteln gelingen. Es ist ein Forschungsprojekt des Institutes für Stadtbaukunst der TU Dortmund, das der Architekt Christoph Mäckler leitet. Er ist überzeugt, dass „es auch heute noch möglich ist, lebenswerte und schöne Viertel zu bauen“.

Die von 1910 bis 1928 für die Arbeiter im Frankfurter Osthafen errichtete Riederwald-Siedlung war in die Jahre gekommen: Die einheitlichen Zeilen mit 53 m2 kleinen Dreizimmerwohnungen entsprachen nicht mehr modernen Standards. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft wollte mehr Platz für Familien und generell eine gemischte Mieterschaft ins Viertel bringen, die sich mit ihrem Quartier identiziert.

Beides erreichte der Architekt, indem er Raumreserven mobilisierte: Er ließ die Dachgeschosse zu Wohnungen umbauen und fügte Anbauten in die ungenutzten Gärten der Häuser ein. Am Ende ergab das 158 Wohnungen (mit bis zu 95 m2) und damit acht Wohnungen mehr als bisher. Die Nachverdichtung folgt dem kleinteiligen Vorbild. So belebt ein Staccato von Gauben die Dächer, Klappläden zieren wieder die Fenster.

Den neuen, intimeren Raumeindruck prägen indes vor allem die Anbauten: Statt Abstandsgrün schaffen sie private Freiräume. Am Ende der Zeilen bilden haushohe Spitzgiebelbauten markante Köpfe, deren kleine Brüder vorne an der Straße die Mülltonnen einhausen. Ein Mäuerchen lädt die Nachbarschaft hier zum Verweilen ein.

So entsteht Identität und ein echter Gewinn an Wohnwert. Auch wenn manche Alteingesessenen der durchgrünten Siedlung nachtrauern und die neue Enge beklagen – Bestandsp ege und -verdichtung bremsen den Flächenverbrauch am Stadtrand. Die Mieterschaft profitiert zudem von den um gut drei Viertel reduzierten Heizkosten. Dies gelang durch das Vormauern einer soliden Ziegelschale, neue Fenster und ein Blockheizkraftwerk.

Auszeichnung

gefördert im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)

Fertigstellung 2017 (1910–28)
Auftraggeber ABG Frankfurt Holding
Architekt / Planer Mäckler Architekten, Frankurt/M
Größe / Fläche 9954 m2
Baukosten brutto 21 Mio. €,
Nutzungen Wohnen
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