Baukultur konkret

Öffentliche Werkstatt in Leipzig

Tapetenwerk / Kirsten Nijhof

Im Rahmen der 3. Öffentlichen Werkstatt des Forschungsprojektes Baukultur konkret berichteten Baukulturinitiativen aus ländlichen Räumen am 15. und 16. Januar im Tapetenwerk Leipzig über ihre baukulturellen Aktivitäten, über Hindernisse in ihrer Arbeit, aber auch über Erfolge, die insbesondere durch die Hilfestellung innerhalb des Forschungsprojektes Baukultur konkret erzielt werden konnten.

Während am ersten Veranstaltungstag die Initiativen vorgestellt wurden, die als Pilot- oder Modellprojekte am Forschungsprojekt teilgenommen haben, war der zweite Tag für Werkstattrunden mit inhaltlich-praktischem Bezug reserviert.

Begrüßt wurden die Initiativen und das weitere Publikum zu Beginn von Vertretern der Auftraggeber, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Frau Kautz vom BMUB und Frau Carstean sowie Frau Kocks vom BBSR erläuterten zunächst den Forschungskontext und umschrieben die Bedeutung des breiten und manchmal sperrig wirkenden Begriffs Baukultur. Obwohl, und gerade weil der Begriff häufig als akademisch abgetan wird, hoben die Rednerinnen hervor, dass vor allem vor Ort Baukultur durch das Handeln der Kommunen, besonders aber auch durch das Engagement der Bürger konkret und praktisch entsteht. Gerade deshalb ist das Projekt Baukultur konkret von so großer Wichtigkeit.

Im Anschluss beschrieb Björn Teichmann vom Büro für urbane Projekte das Vorgehen des Forschungsteams, indem er auf die Pilotphase einging, das Verfahren rund um den Projektaufruf erläuterte und die unterschiedlichen Themen der Bewerber vorstellte, um die Bandbreite möglichen baukulturellen Engagements aufzuzeigen.

Die Initiativen selbst waren aus dem gesamten Bundesgebiet angereist – sowohl solche, die eine Begleitung durch das Forschungsteam bereits erfahren hatten, als auch jene, deren Zusammenarbeit mit dem Forschungsteam noch bevor steht.

Stellvertretend für die drei Pilotgemeinden schilderten Bürgermeister Michael Ruf und sein Bauamtsleiter Thomas Kuntosch die Erfahrungen, die die Schwarzwälder Gemeinde Baiersbronn mit dem Projekt Baukultur konkret gemacht hat. Überzeugt zeigten sich die beiden von dem Einsatz des Forschungsteams, weil dadurch insbesondere der Gemeinderat für das Thema Baukultur gewonnen werden konnte. Alle aktuellen Bauprozesse wurden nun geprüft und bei offensichtlich minderer Qualität gestoppt. Darüber hinaus wurde für das Unterdorf in Baiersbronn ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben und mit großer Bürgerbeteiligung durchgeführt; die umfangreichen Ergebnisse liegen bereits vor.

Zu den weiteren Modellprojekten, die sich vorgestellt haben, gehörten Initiativen aus Schmidtheim (NRW), aus dem Schwarzatal (TH), Sonthofen (BY), Kalbe (ST), Nordkirchen (NRW) und dem Ilzer Land (BY). Das baukulturelle Themenspektrum, das dabei bearbeitet wird, kann größer nicht sein. Es reicht von der Vitalisierung des Ortes oder der Gestaltung der Dorfmitte über die Nutzbarmachung historischer Bausubstanz, die temporäre Bespielung von Leerständen oder die Chancenfindung für Konversionsflächen bis zur baukulturellen Bildung von Jugendlichen oder allgemein bessere Kommunikationsstrukturen zu baukulturellen und stadtentwicklungsspezifischen Themen in der Kommune. Auch die Zusammensetzung der Initiativen variiert stark. Während einige der Akteure bereits langjährig als Verein aktiv sind, sehen sich andere noch als lose Gruppierung von Gleichgesinnten, die sich dann aber u. a. mit dem Thema Organisationsform auseinandersetzen.

Insofern war auch der zweite Veranstaltungstag gut auf die Situationen der Initiativen zugeschnitten. In drei Workshoprunden konnten die Teilnehmer sich zu den Themen „Betriebs- und Nutzungskonzepte“, „Eigenorganisation und Rechtsformen“ und „Zusammenarbeit mit Kommune und Politik“ austauschen und von geladenen Experten beraten lassen.

Über die Chancen für ländliche Räume durch die Beschäftigung mit dem Thema Baukultur referierte Niklas Nitzschke von der Bundesstiftung Baukultur. Vor dem Hintergrund der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Konstrukt der „ländlichen Räume“ hob er mit der Präsentation dreier Beispiele hervor, warum es sich lohnt, sich sowohl als Kommune als auch als Bürger, bzw. Baukulturinitiative baukulturell für seinen Ort einzusetzen. Das Engagement für seinen Ort führt zu mehr Bewusstsein und Verständnis, Zufriedenheit, Identität mit dem und Stolz für den Ort.

Freitag: 15.01.2016

14:00 Get-together
14:30 Begrüßung
Prof. Dr. Florian Kluge, Roland Gruber
ARGE Baukultur konkret
Gabriele Kautz, BMUB, Referatsleiterin Baukultur,
Städtebaulicher Denkmalschutz
14:45 Forschungskontext, Vorgeschichte und Rahmen
Anca Cârstean, BBSR, Martina Kocks, BBSR
14:55 Forschungsvorhaben: Ablauf, Beteiligte, Zwischenstand
Björn Teichmann, ARGE Baukultur konkret
15:10 Netzwerk-Runde
Prof. Dr. Florian Kluge, Roland Gruber
15:20 Berichte aus den Pilot- und Modellprojekten
Dazwischen: Netzwerk-Runde und Kaffeepause

1. Rückblick auf die abgeschlossenen Projekte
ARGE Baukultur konkret mit Akteuren aus den Initiativen

2. Berichte aus den aktuellen Projekten
Prof. Swen Geiss mit Akteuren aus Nordkirchen
Björn Teichmann mit Akteuren aus Kalbe (Milde)
Josef Mathis mit Akteuren aus dem Ilzer Land
18:00 Rück- und Ausblick
18:30 Tapetenwerk Leipzig – von der Industriebrache zur kreativen Produktionsstätte
Jana Reichenbach-Behnisch, rb architekten, Leipzig

19:00 Führung über das Gelände des Tapetenwerks
Heiko Behnisch, rb architekten, Leipzig
20:00 Zum Abschluss des Tages: Gemeinsames Abendessen im
Tapetenwerk

Samstag: 16.01.2016

09:30 Kurzresümee des ersten Tages
09:40 Baukultur – Chancen für ländliche Räume
Niklas Nitzschke, Bundesstiftung Baukultur
09:55 Einführung zu den Werkstatt-Diskussionen
10:05 Werkstatt-Diskussionen
Dazwischen: Kaffeepause
Arbeit an den Thementischen

Tisch 1: „Betriebs- und Nutzungskonzepte“
Tischexpertin Birgit Schmidt, WohnBund-Beratung, Dessau

Tisch 2: „Eigenorganisation und Rechtsformen“
Tischexpertin Sandra Pohler, stattführung Soziale
Dienstleistungen, Leipzig

Tisch 3: „Zusammenarbeit mit Kommune und Politik“
Tischexperte Josef Mathis, ehem. Bürgermeister der
Baukulturgemeinde Zwischenwasser, Österreich

12:15 Zusammenfassung der Ergebnisse der
Werkstatt-Diskussionen
12:35 Abschlussrunde
12:50 Schlusswort und Verabschiedung
13:00 Ende der Veranstaltung

Moderation: Prof. Dr. Florian Kluge, Roland Gruber, ARGE Baukultur konkret

Im Rahmen der 3. Öffentlichen Werkstatt des Forschungsprojektes Baukultur konkret berichteten Baukulturinitiativen aus ländlichen Räumen am 15. und 16. Januar im Tapetenwerk Leipzig über ihre baukulturellen Aktivitäten, über Hindernisse in ihrer Arbeit, aber auch über Erfolge, die insbesondere durch die Hilfestellung innerhalb des Forschungsprojektes Baukultur konkret erzielt werden konnten. 

Während am ersten Veranstaltungstag die Initiativen vorgestellt wurden, die als Pilot- oder Modellprojekte am Forschungsprojekt teilgenommen haben, war der zweite Tag für Werkstattrunden mit inhaltlich-praktischem Bezug reserviert. 

Begrüßt wurden die Initiativen und das weitere Publikum zu Beginn von Vertretern der Auftraggeber, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Frau Kautz vom BMUB und Frau Carstean sowie Frau Kocks vom BBSR erläuterten zunächst den Forschungskontext und umschrieben die Bedeutung des breiten und manchmal sperrig wirkenden Begriffs Baukultur. Obwohl, und gerade weil der Begriff häufig als akademisch abgetan wird, hoben die Rednerinnen hervor, dass vor allem vor Ort Baukultur durch das Handeln der Kommunen, besonders aber auch durch das Engagement der Bürger konkret und praktisch entsteht. Gerade deshalb ist das Projekt Baukultur konkret von so großer Wichtigkeit.

Im Anschluss beschrieb Björn Teichmann vom Büro für urbane Projekte das Vorgehen des Forschungsteams, indem er auf die Pilotphase einging, das Verfahren rund um den Projektaufruf erläuterte und die unterschiedlichen Themen der Bewerber vorstellte, um die Bandbreite möglichen baukulturellen Engagements aufzuzeigen.

Die Initiativen selbst waren aus dem gesamten Bundesgebiet angereist – sowohl solche, die eine Begleitung durch das Forschungsteam bereits erfahren hatten, als auch jene, deren Zusammenarbeit mit dem Forschungsteam noch bevor steht. 

Stellvertretend für die drei Pilotgemeinden schilderten Bürgermeister Michael Ruf und sein Bauamtsleiter Thomas Kuntosch die Erfahrungen, die die Schwarzwälder Gemeinde Baiersbronn mit dem Projekt Baukultur konkret gemacht hat. Überzeugt zeigten sich die beiden von dem Einsatz des Forschungsteams, weil dadurch insbesondere der Gemeinderat für das Thema Baukultur gewonnen werden konnte. Alle aktuellen Bauprozesse wurden nun geprüft und bei offensichtlich minderer Qualität gestoppt. Darüber hinaus wurde für das Unterdorf in Baiersbronn ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben und mit großer Bürgerbeteiligung durchgeführt; die umfangreichen Ergebnisse liegen bereits vor.

Zu den weiteren Modellprojekten, die sich vorgestellt haben, gehörten Initiativen aus Schmidtheim (NRW), aus dem Schwarzatal (TH), Sonthofen (BY), Kalbe (ST), Nordkirchen (NRW) und dem Ilzer Land (BY). Das baukulturelle Themenspektrum, das dabei bearbeitet wird, kann größer nicht sein. Es reicht von der Vitalisierung des Ortes oder der Gestaltung der Dorfmitte über die Nutzbarmachung historischer Bausubstanz, die temporäre Bespielung von Leerständen oder die Chancenfindung für Konversionsflächen bis zur baukulturellen Bildung von Jugendlichen oder allgemein bessere Kommunikationsstrukturen zu baukulturellen und stadtentwicklungsspezifischen Themen in der Kommune. Auch die Zusammensetzung der Initiativen variiert stark. Während einige der Akteure bereits langjährig als Verein aktiv sind, sehen sich andere noch als lose Gruppierung von Gleichgesinnten, die sich dann aber u. a. mit dem Thema Organisationsform auseinandersetzen. 

Insofern war auch der zweite Veranstaltungstag gut auf die Situationen der Initiativen zugeschnitten. In drei Workshoprunden konnten die Teilnehmer sich zu den Themen „Betriebs- und Nutzungskonzepte“, „Eigenorganisation und Rechtsformen“ und „Zusammenarbeit mit Kommune und Politik“ austauschen und von geladenen Experten beraten lassen. 

Über die Chancen für ländliche Räume durch die Beschäftigung mit dem Thema Baukultur referierte Niklas Nitzschke von der Bundesstiftung Baukultur. Vor dem Hintergrund der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Konstrukt der „ländlichen Räume“ hob er mit der Präsentation dreier Beispiele hervor, warum es sich lohnt, sich sowohl als Kommune als auch als Bürger, bzw. Baukulturinitiative baukulturell für seinen Ort einzusetzen. Das Engagement für seinen Ort führt zu mehr Bewusstsein und Verständnis, Zufriedenheit, Identität mit dem und Stolz für den Ort.

Öffentliche Werkstatt des ExWoSt-Forschungsvorhabens

Veranstalter
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

15.01.2016 - 16.01.2016

Tapetenwerk Leipzig
Lützner Straße 91
Halle C01
04177 Leipzig
Deutschland