6. Baukultursalon

Flächenverbrauch stoppen! Mehr Innenentwicklung durch Baukultur

Fotograph Gontek

Trotz des Wissens um die negativen ökologischen, ökonomischen, städtebaulichen und sozialen Folgen der beständigen Flächeninanspruchnahme und trotz der erheblichen wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und gesetzlichen Anstrengungen dieser entgegen zu wirken, findet das Thema Flächenverbrauch in der Baupraxis zu wenig Beachtung: täglich werden in Deutschland noch immer 66 Hektar für Siedlungs- und Verkehrszwecke genutzt, während Potenziale in den Orten häufig nicht gehoben werden.

In einem auf zwei Jahre angelegten Projekt wird die Bundesstiftung Baukultur gemeinsam mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt das Thema Flächenverbrauch im Spannungsfeld zwischen Baukultur, Innenentwicklung und nachhaltiger Infrastruktur bearbeiten.

Mit dem Baukultursalon „Flächenverbrauch stoppen! Mehr Innenentwicklung durch Baukultur“ lädt die Bundesstiftung Baukultur Experten aus verschiedenen Disziplinen ein, um über die aktuelle Situation zu reflektieren und neue Perspektiven auf das Thema zu eröffnen.

Donnerstag, 6. April 2017, 17.30 Uhr Eintreffen, 18 Uhr Beginn
"Flächenverbrauch stoppen! Mehr Innenentwicklung durch Baukultur" Ein Baukultursalon mit Diskussion

Begrüßung und Einführung
Reiner Nagel, Bundesstiftung Baukultur

Impulse à 10 Minuten
Günter Miehlich, Universität Hamburg
Detlef Grimski, Umweltbundesamt
Simone Raskob, Stadt Essen
Bernhard Stüer, Universität Osnabrück

Podiumsdiskussion, ca. 60 Minuten

  • Peter Fritsch, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
  • Detlef Grimski, Umweltbundesamt
  • Mathias Metzmacher, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (angefragt)
  • Günter Miehlich, Universität Hamburg
  • Thomas Preuß, Deutsches Institut für Urbanistik
  • Simone Raskob, Vorsitzende Umweltausschuss Deutscher Städtetag, Geschäftsbereichsvorstand Umwelt und Bauen Stadt Essen
  • Bernhard Stüer, Universität Osnabrück

Gesprächsleitung
Reiner Nagel, Bundesstiftung Baukultur

Im Anschluss
Imbiss und Getränke

Flächenverbrauch stoppen!

Mehr Innenentwicklung durch Baukultur

Wie lässt sich die Neuinanspruchnahme von Flächen drosseln? Wie können sich Städte und Gemeinden dennoch und gerade deshalb nachhaltig entwickeln? Und was kann die Baukultur in diesem Prozess bewirken? Experten unterschiedlicher Fachrichtungen haben mit einem interessierten Publikum am 6. April beim Baukultursalon der Bundesstiftung Baukultur in Potsdam diskutiert.

Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, skizzierte in seiner Begrüßung die Ausgangslage: Während landwirtschaftlich genutzte Flächen hierzulande kontinuierlich abnehmen, wird immer noch zu viel Fläche für Siedlungen und Infrastruktur neu in Anspruch genommen – derzeit täglich 66 Hektar. Gleichzeitig sind vielerorts die Zentren von Leerstand gekennzeichnet. Das Kernthema Innenentwicklung sei daher ein wichtiger Bezug zur Reduzierung des Flächenverbrauchs, sagte Nagel.

Fläche, Grund und Boden: Was sich hinter der Ausgangssubstanz jeden Bauens verbirgt, nahm Bodenkundler Prof. Dr. Günter Miehlich, Universität Hamburg, in den Fokus. Er erläuterte die verschiedenen Funktionen von Böden und wies zudem auf deren Rolle als natur- und kulturgeschichtliches Zeugnis hin. Prof. Miehlich beklagte die zunehmende Flächenversiegelung, etwa durch Innenverdichtung von Ortschaften. Er forderte, das Thema Bodenschutz nachhaltig bei Planern, Architekten und Bauschaffenden zu verankern.

Städtebaurechtsexperte Prof. Dr. Bernhard Stüer, Universität Osnabrück, beleuchtete die juristische Seite der Anstrengung, Flächenverbrauch zu stoppen. Ihm zufolge gelten bei der Vergabe von Neubauland bisher Abwägungsregelungen. Diese sollten, insbesondere auf Landes-, Regional- und Kommunalebene in Vorrangsregelungen umgewandelt werden, empfahl Stüer. So würde ein Eingriff in Grund und Boden nur dann möglich, wenn triftige Gründe vorliegen.

Detlef Grimski vom Umweltbundesamt nahm die politische Ebene ins Visier. Er stellte konkrete Maßnahmen zur Reduzierung des Flächenverbrauchs vor und nannte die Kontingentierung sowie den Handel mit Flächenzertifikaten als einen gangbaren Weg. Wenn das 30-Hektar-Ziel der Bundesregierung, das bislang eher als umweltpolitische Leitplanke gelte, ernst genommen werden solle, benötige man starrere Vorgaben, so Grimski.

Aus der kommunalen Praxis berichtete Simone Raskob, Beigeordnete der Stadt Essen. Sie erläuterte, wie es der Stadt gelinge, durch „Flächenrecycling“ mit Blick auf die zahlreichen Industriebrachen neue Wohn-, aber auch Erholungs- und Wasserflächen zu generieren, und nannte als Beispiel den Krupp-Park.

Im Anschluss ergänzten Peter Fritsch (BMUB), Mathias Metzmacher (BBSR) und Thomas Preuß (Difu) die Diskussionsrunde auf dem Podium, moderiert von Reiner Nagel und ergänzt durch Denkanstöße aus dem Publikum. Als Handlungsempfehlungen für einen geringeren Flächenverbrauch gaben die Diskussionsteilnehmer verschiedene Impulse: Kommunen sollten sich austauschen, gute Beispiele sammeln und nach außen tragen. Großes Potenzial habe zudem die Nachverdichtung im gewerblichen Bereich, etwa durch mehrgeschossiges Bauen. Hinsichtlich der Bahninfrastruktur sollte man den Güterverkehr als positive Stellschraube begreifen, durch dessen Anpassung indirekt ein Einwirken auf den Flächenverbrauch durch Fernstraßenneu- und –ausbau möglich werde.

Zum Ausklang konnten die Teilnehmer bei Getränken und einem Snack im Foyer der Stiftung weiterdiskutieren und die Themen nachwirken lassen.

Baukultursalon

06.04.2017, 17.30

Bundesstiftung Baukultur
Schiffbauergasse 3
14467 Potsdam
Deutschland

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