Erhalte das Bestehende! Ideen für ein Neues Europäisches Bauhaus im Gebäudebestand

Viel Neues wurde in den letzten Jahren mit dem Versprechen auf eine sozial gerechtere und ökologisch bessere Zukunft gebaut. Paradoxerweise wurden dafür zunächst viele Ressourcen verbraucht und Gebäude und ganze Quartiere abgerissen. Zu ökologisch wertvoll sind die vorhandenen Gebäude, zu wertvoll die mit den Häusern verbundenen sozialen Strukturen und kulturellen Geschichten, als weitere Abrisse akzeptiert werden könnten.

Und immer deutlicher zeigt sich: „Bauen, Bauen, Bauen“ ist kein Garant mehr gegen hohe Mieten. Vielmehr verantwortet der Neubau maßgeblich den anhaltend hohen Flächenverbrauch, den Raubbau an immer knapper werdenden Materialien wie Sand und Kies und nicht zuletzt einen großen Anteil an CO2-Emissionen.

„Erhalte das Bestehende“ lautet der Aufruf zu einer reduktiven Strategie in der Architektur, die einen Paradigmenwechsel von einer auf kurzfristige Rendite ausgerichteten Verwertung zum langfristigen Bestandsdenken vollzieht. Dieses Sorgetragen für das Bestehende ist frei von Fragen über Stil und Epoche und gilt für historische wie für Bauten aus den 1950er- bis 1980er Jahren.

Das Weiterbauen des Bestehenden fordert keine radikal andere Architektur, aber eine radikal andere Haltung von Architektinnen und Architekten, in der Politik, in der gesamten Bauindustrie, bei Fragen der Finanzierung und bei den Auftraggebern.

Das 1919 in Weimar gegründete Bauhaus hat etwas gewagt. Es hat mit progressiven Ideen, mit einer sozialen Utopie Gesellschaft und Politik herausgefordert und provoziert, hat Menschen mit grundlegenden Fragen zu Wohnen und Boden in den Bann gezogen. Diesen Ansatz mit dem Neuen Europäischen Bauhaus in das Heute zu übertragen, dabei den Erhalt und das Reparieren des Gebäudebestands zu einem umfassenden ökologischen Umdenken auszubauen, das Bauwirtschaft und Finanzsektor einbindet und das den Menschen Reduktion nicht als Verzicht, sondern als Gewinn erfahren lässt – ist eine ernstzunehmende Chance.

Das Symposium lädt zu einer Diskussion über Ideen zu einem Neuen Europäischen Bauhaus ein, das Perspektiven für den Gebäudebestand in einem gemeinschaftlichen Experimentieren, Lernen und Korrigieren sucht und entwickelt.

Programm

Das Neue Europäische Bauhaus – Idee und Verantwortung
Susanne Wartzeck, Präsidentin des BDA, Berlin / Dipperz

I
Bestand braucht Handlung

Zentrale Pratteln, Basel
Tabea Michaelis, Denkstatt, Basel

Grande Halle, Caen
Nicola Delon, Encore Heureux, Paris

WTC, Brüssel
Freek Persyn, 51N4E, Brüssel

II
Einfach Umbauen

Eike Roswag-Klinge, Architekt BDA, ZRS Architekten, Berlin

De Flat Kleiburg –Conversion of a residential complex of post-war
Kamiel Klaasse, NL Architects, Amsterdam

III
Aus Donuts müssen Krapfen werden

Roland Gruber, nonconform, Wien
Uli Böker, ehemalige Bürgermeisterin Ottensheim, Landtagsabgeordnete Österreich
Dr. Armin König, Bürgermeister Illingen

IV
Verteilung auf das Vorhandene in der Zwischenstadt

Jörg Heiler, Architekt BDA, heilergeiger architekten und stadtplaner BDA, Kempten

Lagerplatz Winterthur – Ein Industriequartier im Wandel
Barbara Buser, Architektin ETH / NDS Energie Denkstatt, Basel

Tabula Scripta
Daan Zandbelt, De Zwarte Hond, Rotterdam

Die Sorge um den Bestand und das Neue europäische Bauhaus
Ruth Reichstein, EU-Kommission, Brüssel

Moderation
Nikolaus von Peter, EU-Kommission, Berlin
Dr. Thomas Welter, Bundesgeschäftsführer BDA, Berlin

 

Der Livetream wird hier übertragen.

Veranstalter
BDA Bund Deutscher Architektinnen und Architekten

18.06.2021, 13.00

Online
Berlin
Deutschland