UNESCO "kulturweit"

Freiwilligendienst: Eine neue Sicht auf das Bauen

Deutsche UNESCO-Kommission / Till Budde

Von Mitte September bis Ende November 2015 unterstützte Dmytro Shvedov, junger Architekt aus Kiew, die Bundesstiftung Baukultur in der besonderen Konstellation als Teilnehmer des UNESCO-Programms „kulturweit“. Das war nicht nur eine Premiere für die Bundesstiftung Baukultur, einen Freiwilligen in die Projektarbeit mit einzubinden, sondern auch für das „kulturweit“-Programm, denn zum ersten Mal begannen zwölf junge Menschen aus Osteuropa einen Freiwilligendienst in Deutschland. Die Teilnehmer aus der Ukraine, Belarus und Moldawien unterstützten für rund drei Monate Kultur- und Bildungseinrichtungen in Berlin und Potsdam. 

Die Bundesstiftung Baukultur hat sich zum Ende seines Freiwilligendienstes mit dem 24-jährigen Dmytro Shvedov, genannt Dima, unterhalten und wollte von ihm wissen, was er aus seiner Zeit bei der Stiftung und auch aus Deutschland mitnehmen kann.

 

BSBK: Dima, du warst jetzt neun Wochen bei uns in der Stiftung in Potsdam. Zuerst daher natürlich die Frage: Wie hat es dir gefallen?
Shvedov: Es hat mir sehr gut gefallen, vielen Dank! Die Arbeit war ein bisschen anders, als ich es erwartet hatte, es war teilweise sehr ruhig, weil die Kollegen manchmal alle gelesen haben (lacht). Zu Hause habe ich bei einem großen Bauunternehmen gearbeitet und dort viele Pläne gezeichnet oder mich mit Projektentwicklern ausgetauscht. Hier habe ich eine neue Seite von Bauen und Baukultur kennengelernt, viele neue Fachzeitschriften, Infoquellen und Publikationen entdeckt.

BSBK: Wo genau hast du denn mitgearbeitet?
Shvedov: Ich habe bei Niklas Nitzschke im Projekt „Baukultur konkret“ mitgearbeitet und ihn bei der Recherche zu den Themen Einfamilienhausgebiete, Windkraftanlagen und Bauen im Bestand im ländlichen Raum unterstützt. Dazu habe ich ihm bei der Vorbereitung für den Baukultursalon „Ortsbild“ geholfen. Der Salon findet ja am 9. Dezember in Potsdam statt, leider bin ich dann nicht mehr da, sondern zurück bei meiner Arbeit in Kiew, sodass ich nicht teilnehmen kann. Die Veranstaltung hätte ich gerne noch mitgenommen, um auch das Ergebnis meiner Arbeit zu sehen.

BSBK: Konntest du denn nicht spontan länger bleiben?
Shvedov: Das geht leider nicht, mein Visum läuft bis zum 23. November und dann muss ich auch wirklich abreisen, sonst gibt es Ärger (grinst).

BSBK: Wie bist du auf „kulturweit“ überhaupt aufmerksam geworden und wie lief deine Bewerbung?
Shvedov: Über die facebook-Seite vom Goethe-Institut habe ich vom Programm „kulturweit“ erfahren und gesehen, dass man nach Deutschland für einen Freiwilligendienst kommen kann. Ich habe sofort beschlossen, mich dafür zu bewerben. In der Schule hatte ich fünf Jahre lang Deutsch und dennoch waren meine Kenntnisse ganz schlecht, auch, weil wir nur Aushilfslehrer hatten und keinen guten Unterricht. Nach der Schule habe ich dann vier Jahre lang Deutschkurse am Goethe-Institut in Kiew absolviert, weil ich endlich besser sprechen wollte. Da hat das Austauschprogramm super gepasst. Ich habe meinen Lebenslauf hingeschickt und ein Motivationsschreiben, der Rest lief dann über „kulturweit“. Es gab wohl um die 300 Bewerbungen, da bin ich auch stolz, dass ich das geschafft habe.

BSBK: Und wie bist du in Potsdam untergebracht, wurden euch Unterkünfte gestellt?
Shvedov: Wir mussten alleine Wohnungen oder WG-Zimmer suchen, das war ganz schön schwer, v.a. auch, wenn man vorab aus Kiew in Potsdam oder Berlin was sucht. „kulturweit“ hat uns dann kurzfristig versucht zu helfen und Unterkünfte gesucht. Wir sind ja die ersten zwölf Teilnehmer, ich denke, das wird beim nächsten Mal besser klappen. Ich habe aber schließlich ein Zimmer in einer Potsdamer WG gefunden.

BSBK: Und was machst du anschließend, wenn du zurück in Kiew bist? Weihnachten genießen oder Urlaub?
Shvedov: Nein, nein, es geht gleich weiter! Ich fange wieder bei dem Bauunternehmen an und werde ein paar Monate als Architekt arbeiten. Aber ab Sommersemester 2016 beginne ich ein Masterstudium an der Hochschule Ausgburg. Ich bin sehr froh, dass das geklappt hat! Ab April werde ich dann also zusammen mit meiner Frau, die glücklicherweise auch in Augsburg für den Masterstudiengang angenommen wurde, wieder in Deutschland sein.

BSBK: Und möchtest du später auch international arbeiten?
Shvedov: Das ist mir eigentlich egal, Hauptsache, der Inhalt stimmt. Ich fühle mich sehr wohl in Kiew und man muss auch keine Angst haben, dort zu leben. Das wurde ich sehr oft hier gefragt, ob ich denn nicht ständig Angst hätte in Kiew. Aber nein, es lebt sich gut da. Das einzige, was schwierig ist und wirklich nicht so gut, ist, dass es kein soziales Netz gibt, keine Rente oder eine vergleichbare Krankenversicherung so wie hier in Deutschland. Man ist sehr abhängig von den aktuellen Politikern und hat keine gute Absicherung, wenn man einmal nicht mehr arbeiten könnte. Ich hoffe, da verbessert sich bald etwas. Ansonsten schaue ich einfach, welche Chancen sich noch ergeben.

BSBK: Lieber Dima, vielen Dank für das Gespräch!

 

Der internationale Kurzzeitfreiwilligendienst „kulturweit“ ist ein Projekt der Deutschen UNESCO-Kommission und wird vom Auswärtigen Amt gefördert. Das Programm soll zivilgesellschaftliches Engagement, transkulturelle Kompetenz und die Weltoffenheit junger Menschen durch Einsätze in Bildungs-, Wissenschafts- und Kultureinrichtungen fördern. Seit 2009 wurden über 2.000 Freiwillige aus Deutschland in Kultur- und Bildungseinrichtungen weltweit entsandt. 2015 wurden durch das Programm erstmals junge Menschen aus dem Ausland zu einem Freiwilligendienst in Deutschland gebracht. Das Gespräch fand am 18. November in den Räumen der Bundesstiftung Baukultur statt.