Stiftung

Baukultur

Daten & Fakten

Während der Erarbeitung des Baukulturberichts wurde im Rahmen einer Umfrage die Bedeutung von Baukultur für Bevölkerung und Verwaltung ermittelt.
Insgesamt legt die Bevölkerung großen Wert auf einen gepflegten Bestand und sieht dies insbesondere mit Blick auf historische Gebäude als zentrale Aufgabe von Baukultur an. Die in den Kommunen federführend mit Baukultur Beschäftigten messen der Sicherung und Pflege von schützenswertem Bestand einen ähnlich hohen Wert bei, verbinden aber an erster Stelle mit Baukultur ästhetische und identitätsstiftende Qualitäten. Bewohner kleiner Gemeinden hingegen verbinden mit dem Begriff Baukultur häufiger die Instandhaltung bzw. Sanierung von alten oder historischen Gebäuden, während in großen Metropolen überdurchschnittlich häufig auch die Stadtplanung bzw. der Städtebau und die Stadtgestaltung mit Baukultur assoziiert werden. Für ein Fünftel der 18- bis 29-Jährigen bedarf Baukultur allerdings einer Erklärung: Sie können sich unter dem Begriff Baukultur nichts vorstellen.

Zu den wichtigsten Kriterien der Baukultur gehören für die Kommunen die lokale Identität, gestalterische Qualitäten, die Sicherung und Pflege schützenswerter Gebäudebestände sowie die handwerkliche Sorgfalt. Nur wenige Bezüge zur Baukultur sehen die Kommunen bisher beim Thema technische Innovationen, integrierte Lagen, flexible und anpassungsfähige Strukturen oder soziale Aspekte.

Baukultur lässt sich in der Bevölkerung nicht auf eine Definition reduzieren, stattdessen werden vielfältige Aspekte mit Baukultur assoziiert. Folglich hat Baukultur auch auf zahlreiche Handlungsfelder Einfluss und bildet im besten Falle Synergien. Eine wichtige Synergie ist die Zufriedenheit der Bevölkerung mit ihrer Stadt oder ihrem Wohnquartier. Qualitätsvolle Lebensräume führen zu Akzeptanz und Wohlbefinden. Eine deutliche Mehrheit der Bürger lebt gerne am eigenen Wohnort. Regionale Unterschiede zwischen Ost und West gibt es kaum, allenfalls eine leichte Tendenz der größeren Zufriedenheit in den östlichen Bundesländern. Die gute Erreichbarkeit von Infrastruktureinrichtungen im eigenen Wohnumfeld hat für die Bevölkerung Priorität. Das heißt, die hohe Dichte an Nutzungsangeboten und die Gewährleistung von Mobilität durch ein flächendeckendes Verkehrsangebot sind wichtige Voraussetzungen für die Zufriedenheit im Alltag – und gelingt offensichtlich besonders gut in großen Städten. Am zufriedensten zeigt sich die Bevölkerung über alle Gemeindegrößen hinweg mit der Nähe von Grünflächen und Natur in ihrem Wohnumfeld.

Die Kommunen scheinen sich der Bedeutung von baukulturellen Qualitäten für die (Wohn-) Zufriedenheit der Bevölkerung durchaus bewusst zu sein. Gefragt nach den Synergien bzw. der ökonomischen Bedeutung von Baukultur, landet der interkommunale Standortwettbewerb an zweiter Stelle. Eine qualitätsvolle gebaute Umwelt ist für die Kommune demnach ein wichtiger Standortfaktor im Wettbewerb um Einwohner und Arbeitsplätze – insbesondere für die größeren Städte.

Ein großer Teil der Bevölkerung hat eine hohe Affinität zum Thema Bauen. Immerhin gibt knapp jeder Fünfte an, während der Zeit der Ausbildung den Wunsch gehegt zu haben, z. B. Architekt, Stadtplaner, Denkmalpfleger oder Bauingenieur zu werden. Damit steht ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung dem Thema Bauen grundsätzlich positiv und interessiert gegenüber.

Nach Einschätzung der Bevölkerung spielt Baukultur für andere Ressorts innerhalb der Verwaltung als auch für externe Akteure nur eine geringe Rolle. Hinter dem Interesse der für Stadtplanung Zuständigen folgt das Interesse an Baukultur in der Kommunalpolitik. Den Wohnungsbaugesellschaften, anderen Abteilungen in der Verwaltung sowie privaten Investoren und Bauherren wird ein geringeres Interesse zugeschrieben als den Bürgern.

Ein ressortübergreifendes Verständnis von Baukultur scheint – bei insgesamt geringem Interesse – eher noch in den westdeutschen Bundesländern verbreitet zu sein als in den ostdeutschen. Damit wird auch für den Bereich der Baukultur bestätigt, was sich durch die Kommunalbefragung insgesamt abzeichnet: Integrierte Arbeitsweisen und Lösungsansätze sind zum jetzigen Zeitpunkt zwar Gegenstand vielfältiger Verwaltungserklärungen, aber längst noch nicht als geübte Praxis in Städten und Gemeinden verankert.

Die Ergebnisse wurden einerseits durch das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) erhoben, das im Auftrag der Bundesstiftung Baukultur eine bundesweite Befragung der Kommunen durchgeführt hat. Gleichzeitig hat die forsa Politik- und Sozialforschung GmbH ein Meinungsbild der Öffentlichkeit zur Baukultur, zum Wohnen, Planen und Partizipieren eingeholt. Die ausführlichen Ergebnisse können Sie im Baukulturbarometer nachlesen, das Ihnen hier als Download zur Verfügung steht.