Forschungsprojekt 2013 – 2016

Baukultur konkret

Gebaute Lebensräume der Zukunft: Stadt und Land
Bundesstiftung Baukultur

Das 21. Jahrhundert gilt als das Jahrhundert der Städte – seit 2005 leben 3,2 Mrd. Menschen in Städten, das entspricht nahezu 50 % der Weltbevölkerung. In Deutschland spielen Klein- und Mittelstädte sowie ländliche Räume eine wichtige Rolle, da hier etwa zwei Drittel der Bevölkerung auf 96 % der bundesdeutschen Gesamtfläche leben.

Vor dem Hintergrund der Fokussierung auf großstädtische Themen mit dem Baukulturbericht 2014/15 unter der Überschrift „Lebensraum Stadt“ war in Vorbereitung des Baukulturberichts 2016/17 von Interesse, wie sich die bauliche Situation in ländlichen Räumen darstellt und was unsere Klein- und Mittelstädte ausmacht. Es wurde untersucht, wo und wie die Menschen hier leben, wo sie arbeiten und wie sie sich bewegen. Zudem wurde ermittelt, wie sich Leben und Strukturen, Gebäude, Orts- und Landschaftbilder auf dem Land heute darstellen, wenn agrarisch geprägte Orte, die bisher als Produktionsstätten für Nahrungsmittel, Holz und Energie fungierten, gleichzeitig Raum für Siedlung, Verkehr und Erholung bieten sollen.

Bundesstiftung Baukultur

Die Bundesstiftung suchte während des Bearbeitungszeitraums bis Ende 2016 beispielhafte Lösungen, die verbreiteter Landflucht und Leerstand und den Herausforderungen des demografischen Wandels auf kluge und kreative Weise baulich begegnen. Oft prägen Anlagen erneuerbarer Energien den landschaftlichen Charakter, das Erscheinungsbild kleiner Gemeinden hingegen stellt ein fragiles Element baukultureller Identität dar. In der Auseinandersetzung mit dem Thema suchte die Bundesstiftung nach einem baukulturellen Ansatz, um unter Rücksichtnahme bestehender Strukturen den jüngsten Herausforderungen, die einen enormen Transformationsdruck darstellen, zukunftsfähig zu begegnen.

Dementsprechend analysierte die Bundesstiftung die Rahmenbedingungen für baukulturelles Schaffen im Land und wägte ab, wo Baukultur förderlich sein kann. Sie diskutierte das Thema in Fachgesprächen und vernetzte baukulturell engagierte Initiativen in ländlichen Räumen. Hierzu führte die Bundesstiftung mit ihren Partnern die verantwortlichen Akteure auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene zusammen und regte zum Dialog an, auch auf internationaler Ebene und zum Thema Grenzregionen.

Bundesstiftung Baukultur

Die Erkenntnisse aus dem Projekt floßen in den Baukulturbericht 2016/17 ein, der die ländlichen Räume sowie Klein- und Mittelstädte ins Blickfeld rückt. Der Baukulturbericht entstand in enger inhaltlicher Zusammenarbeit mit vielen Partnern und Akteuren und wurde ganz wesentlich in den Baukulturwerkstätten, die 2015 den Themen „Vitale Gemeinden“, „Infrastruktur und Landschaft“ sowie „Planungskultur und Prozessqualität“ gewidmet waren, erarbeitet. Entsprechende Projekte und Initiativen aus den ländlichen Räumen und Klein- und Mittelstädten wurden hier präsentiert.

Das Forschungsprojekt „Baukultur konkret“ wurde unter Begleitung der Bundesstiftung Baukultur durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Rahmen des Forschungsprogramms „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt) durchgeführt.

33 Baukultur Rezepte
Gestaltung: MindSpring. Katja Fliedner Konzept: Arbeitsgemeinschaft Baukultur konkret

Das erste "Kochbuch für Baukultur" wurde am 24. Oktober 2017 bei der Offenen Werkstatt Baukultur in Leipzig präsentiert.

Diese Publikation des Bundesbauministeriums und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) vermittelt Themen der Baukultur auf ungewöhnliche Art: 33 "Kochrezepte" sollen das Bewusstsein für gutes Planen und gutes Bauen stärken. Die vorgestellten Formate sind aus dem ehrenamtlichen Engagement von Baukulturinitiativen in Dörfern, Klein- und Mittelstädten hervorgegangen, die im Forschungsprojekt "Baukultur konkret" untersucht wurden. Die Rezepte thematisieren öffentliche Aktionen, Exkursionen, Ausstellungen, Workshops und Beratungsangebote. Die Ideen der Praktiker sind als übertragbare Ideen zum "Nachkochen" für alle konzipiert, die sich vor Ort engagieren möchten.

Die Rezepte des Kochbuchs enthalten Angaben zum Küchenpersonal (Beteiligte), zu den Zutaten (Materialien, Räume, Werkzeuge), zur Vorbereitung (Zeitplanung) und zur Zubereitung (Vorgehen). Zudem werden die Anlässe vorgestellt, für die sich das Vermittlungsformat eignet und die Ziele beschrieben, die sich damit erreichen lassen. Eine dreistufige Bewertung in den Kategorien "Aufwand", "Kosten" und "Akteure" hilft Interessierten, den personellen, finanziellen und zeitlichen Aufwand einzuschätzen.

Das Buch ist im Projekt "Baukultur konkret" entstanden, das zum Forschungsprogramm Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) gehört. Das BBSR setzt das Programm für das Bundesbauministerium um. Das Forschungsprojekt untersuchte die Arbeit von Baukulturinitiativen in ländlichen Räumen. Am Projekt beteiligt waren LandLuft – Verein für Baukultur in ländlichen Räumen (Moosburg/Wörthersee), das Büro für urbane Projekte (Leipzig) und die Alanus Hochschule (Bonn/Alfter).