Presseinformation 20.09.2019

Umdenken und Umlenken: Ettersburger Gespräch setzt sich für die Erreichung der Klimaziele beim Bauen ein

Axel Clemens (Weimar)

120 Expertinnen und Experten aus verschiedenen Disziplinen des Planens und Bauens tagten auf Schloss Ettersburg bei Weimar.

Entscheider aus Planung, Politik, Bau-, Immobilien- und Wohnungswirtschaft plädieren für ein Umdenken und Umlenken, um mehr Ressourceneffizienz und Klimaschutz beim Bauen zu erreichen. Beim Gipfeltreffen der Bauschaffenden auf Schloss Ettersburg bei Weimar einigten sich 120 Experten mit einem wegweisenden Positionspapier auf ihren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele. Das Ettersburger Gespräch fand auf Einladung der Bundesstiftung Baukultur und ihres Fördervereins unter dem Titel „Baustoffe, Systeme, Nachhaltigkeit. Ressourcen für die Zukunft des Bauens“ am 3. und 4. September statt. Die Teilnehmenden bekräftigten ihre Selbstverpflichtung für den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und diskutierten visionäre Maßnahmen für umweltschonendes Planen und Bauen sowie für mehr Baukultur.

Das Bauen gehört weltweit zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftszweigen. In Deutschland beansprucht es jährlich mehr als 50 Prozent der verbrauchten Ressourcen, produziert über 50 Prozent des gesamten Abfalls und zählt gleichzeitig zu den energieintensiven Branchen.

Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, sagte, es bedürfe dringend neuer Maßnahmen, um die Klimaziele zu erreichen. „Wir können nicht weiter Bauen wie bisher. Wir müssen Emissionen drastisch senken, für eine lebenswerte, klimagerechte Zukunft“, so Nagel. „Den Herausforderungen müssen sich alle Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette stellen – Planer und Architekten, Ingenieure, Unternehmen der Bau-, Immobilien- und Wohnungswirtschaft. Nicht zuletzt ist die Politik gefragt, entsprechend verlässliche Rahmenbedingung zu setzen. Dem Bauwesen kommt eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung von Ressourceneffizienz und Klimaschutz zu“, sagte Nagel.

Staatssekretärin Anne Kathrin Bohle, die seit Juni 2019 Vorsitzende des Stiftungsrats der Bundesstiftung Baukultur ist, zeigte sich bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt in dieser Funktion hoch erfreut von der interdisziplinären Zusammensetzung und dem offenen Austausch. Bohle sagte: „Ich freue mich, erstmals beim Ettersburger Gespräch dabei gewesen zu sein – ein ausgesprochen interessantes, hoch informatives Format. Was ich besonders daran schätze, ist der interdisziplinäre Austausch zwischen Planern, Architekten, Bauschaffenden, Baubeteiligten und die Chance für die Politik, zu verstehen und zu informieren.“

Das in interdisziplinärer Arbeit erstellte Strategiepapier zum Ettersburger Gespräch 2019 nennt Maßnahmen für mehr Ressourceneffizienz und weniger CO2-Emissionen im Planen und Bauen.

Die drei Kernthesen des Positionspapiers sind:

•          Baustoffe – ressourceneffizient einsetzen: Das Ettersburger Gespräch fordert den aktiven Einsatz regenerativer Rohstoffe und recycelbarer Baustoffe, um die Zukunft ressourcen- und klimaschonend zu gestalten.

•          Systeme – im Lebenszyklus betrachten: Das Ettersburger Gespräch fordert einen Paradigmenwechsel hin zu mehr Klimaschutz und Ressourceneffizienz beim Planen, Bauen und Nutzen von Bauwerken, ein Denken in Systemen und mehr Freiraum für Innovationen.

•          Nachhaltigkeit – Vorhaben integral planen und bauen: Das Ettersburger Gespräch sieht sich in der Ergebnisverantwortung für ein ressourcengerechtes und recyclingfähiges Bauen – durch schnelleres, konsequenteres und interdisziplinäres Handeln, innovative Herangehensweisen sowie verbindliche Rahmenbedingungen der Politik.

Das gesamte Strategiepapier und die Dokumentation der Veranstaltung finden Sie hier.

Den inhaltlichen Schwerpunkt zum Ettersburger Gespräch 2019 setzte Prof. Werner Sobek von der Universität Stuttgart mit einer grundlegenden Keynote zum Thema „Ressourcen für die Zukunft des Bauens“.

Gute Beispiele

Wie hierzulande bereits heute ressourceneffizient und nachhaltig gebaut wird, zeigten verschiedene Projekte, die auf der Veranstaltung von Planungs- und Ausführungsbeteiligten vorgestellt wurden:

•          das Verwaltungsgebäude für die RAG (Essen) als deutschlandweit erstes umfangreiches Projekt mit Kreislaufwirtschaft nach dem Cradle-to-Cradle-Designprinzip

•          die Liebig-Höfe Aschaffenburg: Wohnen im Quartier -  nachhaltig, sozial und innovativ

•          das Heizkraftwerk München-Obersendling als ungewöhnliche Revitalisierung eines Industriedenkmals

•          das höchste Haus Deutschlands in Holzbauweise, das SKAIO in Heilbronn

Das  „Ettersburger Gespräch“ der Bundesstiftung Baukultur und ihres Fördervereins findet jedes Jahr im September statt. Es ist ein exklusiver Erfahrungsaustausch zwischen Entscheidungsträgern der Bau-, Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, Architektur, Ingenieurwesen und Kommunalverwaltung zu aktuellen Herausforderungen der Branche.