Die Aufbruchstimmung für gutes Planen und Bauen war beim Konvent der Baukultur am 10. und 11. Juni in Potsdam förmlich mit den Händen zu greifen. Und mit ihr die Veränderungsfreude beim Gestalten der Zukunft. Die Bundesstiftung stellte im Rahmen der Veranstaltung den neuen Baukulturbericht 2026/27 „Gestalten – Prozesse, Bauen, Zusammenhalt“ vor. Anlässlich des 20jähriges Jubiläum der Stiftung thematisierte der Beirat mit dem Bericht „Was kann Baukultur?“ die zunehmend positiven Auswirkungen der Stiftungsarbeit. Außerdem wählten die Konventberufenen die neuen Mitglieder des Stiftungsrats und -beirats. Mit mehr als 1.600 Besuchen an zwei Tagen erhielt der 10. Konvent der Baukultur in Potsdam den bisher größten Zulauf von engagierten Teilnehmenden.
„Die gebaute Umwelt ist das Wichtigste, das wir als Gesellschaft gemeinsam gestalten. Sie umgibt uns ständig und prägt unseren Alltag. Gute Gestaltung ist deshalb kein Luxus, sondern eine Ressource: Sie wirkt sich positiv auf Gesundheit, Psyche und gesellschaftliches Miteinander aus. Das wurde in den Vorträgen, Konventdebatten und -foren mehr als deutlich“, sagt Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur. „Wir können mit anpacken und im wahrsten Sinne des Wortes selbstwirksam werden. Dafür sind die Gewinnerprojekte des 30m3-Wettbewerbs von Studierenden und Schülerinnen und Schülern auf dem Schirrhof der beste Beweis.“
Prozesse, Bauen und Zusammenhalt gestalten
Der Baukulturbericht 2026/27 „Gestalten“, den die Bundesstiftung vorstellte und diskutierte, spannte den inhaltlichen Bogen über beide Konventtage und das Rahmenprogramm. Die fünf Foren widmeten sich Gestaltungsfragen anhand verschiedener Schwerpunkte: Bei den Foren „Baureduktionsplanung“ und „Bundesweites Treffen der Gestaltungsbeiräte“ standen qualitätvolle Prozesse im Fokus. Das Forum „Handwerk & Gestaltung“ beleuchtete Fragen der Zusammenarbeit und Ausbildung, während das Forum „Baustoffe gestalten“ den Einfluss von Materialien auf die Gestaltung untersuchte. Ein weiteres Forum mit dem Titel „Wie wohnen? Was bauen?“ griff die aktuell viel debattierte Wohnungsfrage auf und zeigte, dass auch hier eine gute Gestaltung von Prozessen und Bauten Voraussetzung für gelingende Projekte ist.
Keynotes zu Aspekten guter Gestaltung
Drei Keynotes bereicherten das Programm des Konvents: „Wie die Stadt unter die Haut geht – die Perspektive der Neurourbanistik” schilderte Prof. Dr. med. Mazda Adli, Chefarzt der Fliedner Klinik Berlin und Leiter des Forschungsbereichs Affektive Störungen an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Seine Forschungen zeigen unter anderem: Stadtgrün und auch Schönheit wirken Stress entgegen.
Anna Heringer sprach über ihren Leitsatz, dem sie auch ein Buch gewidmet hat: „Form follows love“ bezieht sich auf Emotion und Maßstäblichkeit, Selbstwirksamkeit und verantwortungsvolles Handeln mit Blick auf Ressourcen, Menschen und die Gemeinschaft. Die selbständige Architektin ist zugleich Hon. Prof. am UNESCO-Lehrstuhl für Lehmarchitektur, Baukulturen und nachhaltige Entwicklung der Universität Lichtenstein.
Prof. em. Dr. Vittorio Magnago Lampugnani kam in seiner Keynote mit Blick in die Geschichte zu dem Schluss: „Nur nachhaltige Architektur ist schön. Nur schöne Architektur ist nachhaltig.”
Vertreterinnen und Vertreter für Beirat und Stiftungsrat neu gewählt
Die Mitglieder des Konvents wählten aus ihren Reihen Vertreterinnen und Vertreter für den Beirat und Stiftungsrat der Bundesstiftung Baukultur. Dem Konvent gehören aktuell 325 Persönlichkeiten an: Auslobende von Preisverfahren, deren Preistragende und Menschen, die sich im Bereich der Baukultur in Deutschland besonders engagieren. Die neuen Mitglieder des Stiftungsrates und -beirats werden voraussichtlich im Juli bekanntgegeben.
Ausstellungsprogramm
Auf dem Schirrhof, im Arena Foyer und auf den Freiflächen der Schiffbauergasse gab es ein vielfältiges Ausstellungs- und Netzwerkprogramm: Zehn Teams präsentierten ihre gebauten Ideen für 30 m3 Baukultur – einem Nachwuchs-Wettbewerb, den die Bundesstiftung und ihr Förderverein im Vorfeld zum Konvent der Baukultur ausgelobt hatten. Eines der Projekte wird mit Unterstützung der Messe München auf der Messe BAU im Januar 2027 präsentiert.
Am Marktplatz der Initiativen beteiligten sich fast 60 Vereine, Initiativen und Gruppen aus ganz Deutschland und informierten über ihre Arbeit und Projekte.
Die „Bäume der Zukunft“, die mit Unterstützung der Baumschule Bruns Pflanzen aus Bad Zwischenahn und der Otto Kittel GmbH & Co Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau KG Berlin auf dem Schirrhof im Kulturquartier Schiffbauergasse aufgebaut werden konnten, zeigten deutlich die positiven Auswirkungen von Stadtgrün: Die Bäume bereicherten den Konvent mit Schattenspendern wie dem nordamerikanischen Lederhülsenbaum, schafften eine räumlich angenehme Atmosphäre auf dem ansonsten gepflasterten Platz und trugen zur guten Stimmung bei.