Die HafenCity als Labor für die Innenstadt von morgen - Handelsdialog Baukultur in Hamburg

Wie verändert sich eine Innenstadt, wenn ein völlig neues Stadtquartier direkt an sie heranwächst? Welche Rolle spielen Handel, Architektur und öffentliche Räume für ihre Zukunft? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der sechste Handelsdialog Baukultur, zu dem die Bundesstiftung Baukultur gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. (DV) sowie dem Handelsverband Deutschland e.V. (HDE) im Juli 2026 nach Hamburg eingeladen hatte.

Vom Wissen zum Stadtraum

Bevor es hinaus in die HafenCity und die Hamburger Innenstadt ging, vermittelten Fachvorträge die Grundlagen für die anschließende Exkursion. Im Forum für Stadt und Zukunft – Hafen.City.Horizonte begrüßten Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, und Dr. Andreas Kleinau, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg, die Teilnehmenden. Nach einem Rückblick auf die seit 2016 stattfindenden Handelsdialoge ordnete Reiner Nagel die Entwicklung der HafenCity in ihren historischen Kontext ein. Dabei wurde deutlich, dass die HafenCity nicht als eigenständiger Stadtteil gedacht wurde, sondern als Erweiterung der Hamburger Innenstadt – mit neuen Verbindungen, Nutzungen und Perspektiven.

An diese städtebauliche Einordnung knüpfte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland e. V., an und richtete den Blick auf die aktuellen Entwicklungen im deutschen Einzelhandel. Anhand aktueller Zahlen und Fakten zeigte er, wie sich Konsum- und Nutzungsverhalten verändern und welche Bedeutung Sicherheit, Aufenthaltsqualität und eine funktionierende Infrastruktur für lebendige Innenstädte besitzen.

Die Hamburger Perspektive brachte anschließend Brigitte Scholz von der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen ein. Sie stellte das Zukunftsbild Innenstadt vor und erläuterte die unterschiedlichen Charaktere und Anforderungen der einzelnen Innenstadtbereiche. Deutlich wurde auch, wie stark Faktoren wie Feiertage oder Großveranstaltungen die Nutzung der Einkaufsbereiche beeinflussen. Bemerkenswert war dabei, dass sich die Besuchsfrequenzen des neuen Westfield Überseequartiers und der Mönckebergstraße inzwischen vergleichbar entwickeln.

Die anschließende Gesprächsrunde mit Heiner Schrote (Handelskammer Hamburg), Andreas Bartmann (Globetrotter Ausrüstung), Dr. Andreas Kleinau und Reiner Nagel griff diese Themen auf und diskutierte die Wechselwirkungen zwischen Stadtentwicklung, Handel und Baukultur.

Mit diesen unterschiedlichen Perspektiven im Gepäck begann der zweite Teil des Tages: die HafenCity selbst wurde zum Anschauungsobjekt.

Die HafenCity erleben

Unter der Führung von Dr. Andreas Kleinau führte der Rundgang zunächst durch den westlichen Teil der HafenCity – von der Baakenstraße über den Baakenhafen bis zum Überseequartier. Was zuvor in den Vorträgen beschrieben worden war, ließ sich nun unmittelbar im Stadtraum nachvollziehen: die Verbindung neuer Quartiere mit der bestehenden Innenstadt, die Mischung unterschiedlicher Nutzungen und die Rolle öffentlicher Räume.

Im Überseequartier stand anschließend das neue Westfield-Center im Mittelpunkt. Marc Botterweck, Senior Leasing Manager bei Westfield, erläuterte das Konzept des Quartiers, das bewusst nicht als klassische Shoppingmall, sondern als offenes Stück Stadt entwickelt wurde. 14 eigenständig gestaltete Gebäude bilden ein Ensemble aus Einzelhandel, Gastronomie, Büros, Hotels, Wohnungen und Kulturangeboten. Das filigrane Glas-Metall-Dach, entworfen und umgesetzt von der Werner Sobek AG, verbindet die Gebäude zu einem wettergeschützten Stadtraum und lässt gleichzeitig den Charakter einer traditionellen Einkaufsstraße entstehen.

Dass Baukultur bis in die Gestaltung einzelner Handelsorte hineinwirkt, zeigte der anschließende Besuch des Rewe-Marktes im Westfield. Die Architektin Valentina Kinzel stellte gemeinsam mit ihrem Büropartner das Gestaltungskonzept des Marktes vor. Die Architektur greift Motive des Hafens und des Wassers auf und verbindet so den Ort auch im Inneren mit seiner Umgebung. Im Gespräch mit dem selbstständigen Rewe-Kaufmann Jens Piclum wurden anschließend die Besonderheiten des Marktbetriebs und die Anforderungen an einen Nahversorger in einem gemischt genutzten Stadtquartier diskutiert.

Einen weiteren Schwerpunkt des Rundgangs bildete das unmittelbar angrenzende Cruise Center HafenCity. Als Ankunftsort für internationale Kreuzfahrtschiffe übernimmt es zugleich eine Torfunktion zur Stadt und verbindet den Kreuzfahrtverkehr direkt mit dem öffentlichen Stadtraum und den kommerziellen Angeboten des Quartiers.

Zwischen HafenCity und Innenstadt

Nach einer kurzen Mittagspause setzte sich der Rundgang in Richtung Hamburger Innenstadt fort. Unterwegs erläuterte Lisa Heßling von der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen anhand konkreter Orte und Visualisierungen die Maßnahmen des Zukunftsbildes Innenstadt. Bereits umgesetzte Projekte – etwa temporäre Begrünungen an den Übergängen zwischen HafenCity und historischer Innenstadt – machten sichtbar, wie neue Aufenthaltsqualitäten schrittweise erprobt werden.

Im „Raum zum Stadtfinden“, dem Büro der Hamburger Innenstadtkoordination, stellte Innenstadtkoordinator und urbanista-Gründer Julian Petrin die strategischen Ansätze zur weiteren Entwicklung der Innenstadt vor und zeigte auf, wie öffentliche Räume, Nutzungsvielfalt und Beteiligungsprozesse zusammenspielen. Den Abschluss bildete eine moderierte Diskussionsrunde zwischen Julian Petrin, Reiner Nagel und Prof. Dr.-Ing. Thomas Krüger, Arbeitsgebiet Projektentwicklung und Projektmanagement in der Stadtplanung der HafenCity Universität. 

Vom Warenhaus zum Stadtbaustein

Den Abschluss bildete die Besichtigung einer Baustelle mit besonderer Symbolkraft: dem ehemaligen Galeria-Kaufhof-Gebäude in der Mönckebergstraße, inzwischen unter dem Namen Ajour bekannt. Das denkmalgeschützte Gebäude entwickelt Tishman Speyer zu einem gemischt genutzten Gebäude mit Handel, Gastronomie, Büros und Wohnungen weiter. Philipp Herber und Alexander Berger-Scherell erläuterten vor Ort die denkmalgerechte Sanierung des Daches, der oberen Geschosse sowie der markanten Backsteinfassade. Das Projekt steht beispielhaft für den Wandel vieler Innenstädte: Ehemals monofunktionale Handelsimmobilien entwickeln sich zu vielfältig genutzten Stadtbausteinen, die ihre zentrale Lage neu interpretieren und damit einen wichtigen Beitrag zur Zukunft der Innenstadt leisten.

Der Handelsdialog in Hamburg machte deutlich, wie eng Baukultur, Handel und Stadtentwicklung miteinander verbunden sind. Die Vorträge lieferten den fachlichen Rahmen – der anschließende Rundgang zeigte, wie sich diese Strategien im Stadtraum konkret ablesen und erleben lassen.

 

Nach oben