Handelsdialog Baukultur: Antwerpen
Gemeinsam mit dem DV Deutscher Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. und dem Handelsverband Deutschland hat die Bundesstiftung am 31.8./1.9. den Handelsdialog Baukultur veranstaltet – Ziel: Antwerpen.
Zum strategisch angelegten Wandel der belgischen Metropole gehören langfristige Entwicklungsprojekte für industriell geprägte Stadträume wie das frühere Hafenareal Het Eilandje, in dem heute hochfrequentierte Museen und öffentliche Einrichtungen, neue Parks und Boulevards und vielfältige Wohnformen auf den alten Docks verankert sind. Zugleich versteht es die Stadt geschickt, das Potential des Umbaus und des Weiterbauens in der dicht bebauten Innenstadt zu nutzen. In "Harmonie und Dissonanz“ überlagern sich nach Stadtbaumeister Christian Rapp die baulichen Zeitschichten Antwerpens und reagieren aufeinander.
Antwerpen ist durch private Eigentümerstrukturen geprägt. So werden hochwertige Gewerbe-, Wohn- und Kulturnutzungen in den Gebäudebestand eingefügt und sind zugleich Ausdruck der Individualität ihrer Besitzer. Für die Weiterentwicklung des Einzelhandels in der Innenstadt ist die räumliche Verknüpfung mit umgewidmeten Immobilien sowie überzeugend-innovativen Retail-Ideen spannend. Hier wirkt der Einfluss der florierenden Modebranche, die in Antwerpen ein wichtiges Zentrum besitzt. Über baukulturelle Qualitäten werden Impulse für das Leben im Quartier gesetzt – im 't Groen Kwartier durch die denkmalbewusste Transformation eines abgeschotteten Militärkrankenhausareals in ein Wohnquartier, in dem durch subtile Materialverwendung bei den Wohntypolgien ein direktes Miteinander statt Nebeneinander für unterschiedliche Einkommensgruppen gefördert wird. Im direkten benachbarten PAKT hat sich ein leerstehendes Lagerhaus mit viel lokaler Initiative zu einem lebendigen Kreativ-Hub gewandelt, wo Rooftop Farming als alternatives Geschäftsmodell betrieben wird und zugleich zur Atmosphäre und den weiteren Nutzungen des Areals beiträgt.
Als wichtige Erkenntnis der Exkursion resümiert Reiner Nagel, dass es nicht den einzelnen großen Plan für Antwerpen gebe, aber viele kleine Pläne, die die Entwicklung der Stadt voranbringen. So biete der Bestand als Grundlage viele Handlungsoptionen für Projekte, die mit Augenmaß umsetzbar seien. „Es gibt in Antwerpen das große Projekt der kleinen Dinge“, bestätigt Filip Smits, Leiter des Stadtentwicklungsamts, diese Einschätzung.