Einfach Um-Bauen – Forschungsprojekt zeigt: Viel hilft nicht immer viel!

© TU München

Die Technische Universität München und die Hochschule Bochum haben unterschiedliche Maßnahmen zur energetischen Sanierung von Wohnhäusern auf ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis untersucht. Unter dem Titel "Einfach Um-Bauen – Konzepte für das robuste Sanieren von Wohngebäuden – CO2-Reduktion ohne Steigerung der Warmmiete" ist Ende September 2025 der Schlussbericht erschienen.

“Die Senkung des Energiebedarfs im Wohnungsbestand Deutschlands als eine zentrale Aufgabe der nächsten Jahre. Dazu muss die Sanierungsquote rasch gesteigert werden. Hierfür werden kostengünstige und materialsparende Lösungen benötigt”, heißt es in der Einleitung des Schlussberichts.

In einer umfassenden Untersuchung hat das Forschungsteam den Lebenszyklus typischer Bestandswohngebäude analysiert. Dabei wurden die graue Energie der Sanierungsmaßnahmen sowie standortspezifische Energieversorgungsoptionen berücksichtigt. Ebenfalls einbezogen wurde das Performance Gap, also die Abweichung zwischen berechnetem Energiebedarf und tatsächlichem Verbrauch im Betrieb.

Dieser Methode liegt die These zugrunde, dass sich durch diese ganzheitliche Betrachtung Sanierungslösungen finden lassen, die in der Praxis den Energiebedarf wirksam senken, weniger kosten und trotzdem im Vergleich zu einer EH55-Sanierung genauso viel CO₂ einsparen.

Vier repräsentative Gebäude aus dem Bestand der Münchner Wohnen (Baujahre 1950–1984) wurden detailliert untersucht. Insgesamt wurden 1.140 Sanierungsvarianten analysiert. Berücksichtigt wurden:
– einzelne und kombinierte bauliche Maßnahmen,
– Wechsel der Wärmeerzeugung (Gas, Fernwärme, Wärmepumpe, Pellets),
– Lebenszykluskosten, graue Emissionen,
– energetische Simulation unter realistischen Nutzungsannahmen.

Die Untersuchung zeigt klare Trends bei der energetischen Gebäudesanierung

1. Der Wechsel des Wärmeerzeugungssystems – insbesondere zu Fernwärme oder Pelletheizungen – erweist sich als die wirtschaftlichste und ökologisch effektivste Maßnahme. 
2. Die abnehmende Gebäudekompaktheit und der verbesserte Ausgangsdämmstandard jüngerer Gebäudegenerationen führen zu höheren spezifischen Sanierungskosten und verringern das Einsparpotenzial zusätzlicher Maßnahmen. 
3. Umfassende Dämmmaßnahmen auf EH55-Niveau erweisen sich in nahezu allen untersuchten Fällen als unwirtschaftlich. 
4. Gebäudespezifisch angepasste Maßnahmenkombinationen bieten das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Den kompletten Schlussbericht finden Sie hier: https://www.einfach-bauen.net/wp-content/uploads/2025/09/250917_Einfach-Um-Bauen-Endbericht.pdf

 

Über das Forschungsprojekt “Einfach Um-Bauen”

Das Forschungsprojekt “Einfach Um-Bauen” wurde vom Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren (TUM), Prof. Florian Nagler, geleitet und gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen (TUM), der Professur für Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege (TUM) sowie dem Lehrgebiet Entwerfen und Konstruieren/Nachhaltiges Bauen (Hochschule Bochum) bearbeitet. Das Forschungsprojekt ist Bestandteil der “Einfach Bauen”-Forschungsprojekte der TU München. 2026 erscheint auf Grundlage der Forschungsergebnisse der Leitfaden “Einfach Um-Bauen” (Hg.: Anne Niemann, Florian Nagler). 

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