Preis Bauen im Bestand 2025

Das Bauen im Bestand hat sich in den letzten Jahren zu einem zentralen Thema der Baukultur entwickelt. Angesichts von Klimawandel, Ressourcenknappheit und einem neuen Sinn für die immateriellen Werte des Bestandes rückt der sorgfältige Umgang mit dem Vorhandenen immer stärker in den Fokus. Preisverfahren, die herausragende Leistungen im Bereich Umbau, Sanierung und Weiterbau würdigen spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie machen beispielhafte Projekte sichtbar, fördern den fachlichen Diskurs und setzen Impulse für eine nachhaltige Baupraxis.

Wie viel Zukunft im Bestehenden steckt, zeigt etwa der Preis Bauen im Bestand, den die Bayerische Architektenkammer unter der Schirmherrschaft des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst verleiht – dieses Jahr erneut in Kooperation mit der Bundesstiftung Baukultur. 

„Das Bauen im Bestand wird immer wichtiger“ sagt Reiner Nagel, Vorstandvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur und Vorsitzender der Jury. „Mit den hier entstehenden Referenzen schaffen wir Benchmarks – für Deutschland und darüber hinaus.“

Mit dem Preisverfahren wird die Bedeutung des baukulturellen Erbes und Engagement für Baukultur sichtbar gemacht. Ausgezeichnet werden Projekte, die mit zukunftsweisenden Konzepten überzeugen – und dabei nicht nur gestalterische Qualität und regionale Identität berücksichtigen, sondern auch ökologische, ökonomische und soziale Aspekte einbeziehen. Besonders im Fokus steht der sensible Umgang mit der „grauen Energie“ bestehender Gebäude – unabhängig davon, ob sie unter Denkmalschutz stehen oder das Ortsbild prägen.

Trotz unterschiedlicher architektonischer Konzepte eint die ausgezeichneten Projekte ihr exemplarischer Umgang mit den komplexen Bauaufgaben – durch das konsequente Ausschöpfen der im Bestand liegenden Potenziale.

Die Preisträger 2025 – Umbau als Lösung
In diesem Jahr wurden insgesamt 194 Projekte eingereicht – unterteilt in drei Kategorien:

  • Kategorie 1 l Ursprungsgebäude vor 1900 Diözesanmuseum, Freising (Brückner & Brückner Architekten) 
    Ein Museum wird nach jahrelanger Schließung durch präzise Eingriffe neu belebt.”
  • Kategorie 2 l 1900 – 1945 Gasteig HP8 Isarphilharmonie, München (gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner) 
    Ein Industriebau wird zum lebendigen Kulturquartier.”
  • Kategorie 3 l 1945 – 1990 Umnutzung und Sanierung Mozart-Areal: Hufeisen, Würzburg (Grellmann Kriebel Teichmann & Partner Architekten BDA) 
    Ein zum Abriss freigegebenes Schulgebäude erfährt dank zivilgesellschaftlichem Engagement eine preisgekrönte Wiederbelebung.”

 

Weitere Preisverfahren zum Thema Umbaukultur:


 

„Bauen im Bestand ist kein Notbehelf mehr“

Interview mit Prof. Lydia Haack – Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer

Wie sich die Wahrnehmung und Qualität des Weiterbauens seit der ersten Auslobung 2017 entwickelt haben und was die ausgezeichneten Projekte über die Zukunft des Bauens verraten, erläutert Prof. Lydia Haack im Gespräch.

Der Greyfield Index zeigt: Umbauten und Sanierungen gewinnen im Vergleich zum Neubau zunehmend an Bedeutung. Sehen Sie seit der Auslobung des Preises „Bauen im Bestand“ 2017 qualitative und quantitative Entwicklungen?

Lydia Haack: Seit 2017 beobachten wir eine kontinuierlich hohe Zahl an Einreichungen mit einer konstant hohen Qualität. Bauen im Bestand wird längst nicht mehr als Notlösung verstanden, sondern als eigenständiges, anspruchsvolles Planungsfeld. Dabei zeigen die prämierten Arbeiten eine große Vielfalt: vom behutsamen Weiterbauen über kluge Umnutzung bis hin zu radikalen Neuinterpretationen. Zudem gewinnt das Verständnis für die klimapolitische, soziale, gestalterische Bedeutung des Weiterbauens und der Stadtentwicklung an Gewicht – besonders auch bei Alltagsbauten oder Zweckbauten der Nachkriegszeit.

Welche Erkenntnisse lassen sich aus den ausgezeichneten Projekten des Jahres 2025 ableiten?

Lydia Haack: Die prämierten Projekte zeigen, dass zukunftsfähiger Umgang mit Bestandsbauten weit über reine Erhaltung hinausgeht. Entscheidend sind Strategien wie gezieltes Weiterbauen statt Abriss, die Wertschätzung auch „unscheinbarer“ Gebäude, präzise Eingriffe mit großer Wirkung sowie die Schaffung kulturellen Mehrwerts. Zukunftsfähige Umbauten reagieren flexibel auf gesellschaftliche Bedürfnisse und nutzen Instrumente wie den „Gebäudetyp-e“, um ressourcenschonend und kreativ zu planen. Zentral für den Erfolg ist allerdings das Engagement von Bauherrinnen und Bauherren, die Offenheit und den Mut für neue Wege mitbringen. So ist es etwa der Stadtgesellschaft Würzburgs mit unterschiedlichen Initiativen nach jahrelangem Ringen gelungen, ein ehemaliges Mädchengymnasium in einen Ort der Musik und der Identifikation zu verwandeln. Das Mozartareal, umgebaut von Grellmannn Kriebel Teichmann Architekten und arc.grün landschaftsarchitekten stadtplaner, wurde auch dafür beim Preis Bauen im Bestand 2025 mit dem Staatspreis ausgezeichnet. 

Lassen sich die prämierten Ansätze auch auf Bestandsbauten mit geringer gestalterischer oder baulicher Qualität übertragen?

Lydia Haack: Ja, gerade vermeintlich unscheinbare oder wenig wertgeschätzte Bestandsbauten – Alltagsarchitektur wie etwa die typische Flachdachschule der 1970er-Jahre – bergen oft enormes Potenzial. Der Schlüssel liegt im intelligenten Umgang mit vorhandenen Ressourcen: kreative Weiterentwicklung, Umnutzung oder gezielte Rückbauten können diese Bauten zukunftsfähig machen. Grenzen bestehen nur bei stark geschädigter Substanz oder wirtschaftlich nicht realisierbarer Umnutzung. Entscheidend ist die Haltung, selbst im scheinbar Banalen Wert und Potenzial zu erkennen, das prägt eine zeitgemäße Umbaukultur.

 

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