Der Gebäudebestand: Ausgangspunkt für nachhaltige und soziale Entwicklung

© BMWSB | Stefanie Loos

Statement von Sören Bartol – Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und Vorsitzender des Stiftungsrats der Bundesstiftung Baukultur

Das Thema Bauen bleibt in Deutschland hochaktuell: Wir brauchen bezahlbaren und sozialen Wohnraum sowie schnellere Bau- und Planungsprozesse. Zugleich gilt es, die CO2- Emissionen im Gebäudesektor zu reduzieren, um die Klimaziele zu erreichen. Die Energie- und Wärmewende, die Gewinnung von Fachkräften und die Verwendung ressourcenschonender Rohstoffe prägen den öffentlichen Diskurs. Diese Faktoren sind zugleich Stellschrauben für ein zukunftsfähiges – sie beeinflussen Kosten, Bauzeiten und die Qualität unserer gebauten Umwelt wesentlich. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Weiterentwicklung des bestehenden Baubestands im Sinne einer Umbaukultur zunehmend an Bedeutung- als Ergänzung zu energieeffizienten Neubauten.
 
Die Bundesstiftung Baukultur hat bereits 2022 mit ihrem Baukulturbericht “Neue Umbaukultur” unmissverständlich aufgezeigt, dass ein “weiter so” nicht die richtige Antwort auf diese aktuellen Herausforderungen ist. Angesichts von Klimaanpassung, Urbanisierung und demografischem Wandel müssen wir unser Verständnis vom Bauen und Wohnen grundlegend überdenken. Bestehende Gebäude binden enorme materielle und kulturelle Ressourcen – sie sind damit Ausgangspunkt für eine nachhaltige und soziale Entwicklung. Umbaukultur bedeutet mehr als nur die Sanierung alter Gebäude oder die Neugestaltung und funktionale Ergänzung von Quartieren. Sie steht für einen umfassenden Wandel in unserem Denken und Handeln – hin zu einer nachhaltigen, integrativen und partizipativen Baukultur.

Jeder Umbau ist zudem eine Chance, unsere Städte und Gemeinden lebenswerter, energieeffizienter und resilienter für alle zu gestalten. Dabei setzen wir nicht nur auf technische Lösungen, sondern berücksichtigen soziale und kulturelle Aspekte und binden die Menschen vor Ort aktiv in den Planungsprozess ein. Dies betonen auch die Baukulturellen Leitlinien des Bundes “Gemeinsam Räume für gutes Zusammenleben gestalten”. Ebenso wichtig bleibt der offene Dialog über Baukultur – wir werden diesen auch in schwierigen Zeiten in Politik, Fachwelt und Öffentlichkeit führen. Hervorragende Anlässe dazu bieten die Baukulturberichte der Bundesstiftung Baukultur ebenso wie der jährliche Tag der Umbaukultur.

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