Baukultur Sommerreise: Zwischen Klosteranlage und DDR-Kultur in Neuzelle

Eisenhüttenstadt war 2024 eine Station der Baukultur Sommerreise. Jetzt kehrten wir in die Region zurück. Nur sieben Kilometer liegen zwischen der sozialistischen Planstadt Eisenhüttenstadt und Neuzelle, dem Barockwunder Brandenburgs. Baukulturell trennen die beiden Nachbarorte aber Welten. Solche Kontraste gibt es auch innerhalb von Neuzelle und entsprechend war das Besuchsprogramm überschrieben mit: „Zwischen Klosteranlage und DDR-Kultur: Die Bedeutung von öffentlichen Orten in ländlichen Räumen“.

Das 1268 gegründete Kloster Neuzelle zählt mit seinen Barockkirchen, dem Klostergarten und den Kunstschätzen zu den bedeutendsten Barockanlagen Ost- und Norddeutschlands. Die prachtvolle Umgestaltung ab dem 17. Jahrhundert prägt bis heute die besondere Atmosphäre des Ortes. Gleichzeitig steht am Dorfeingang das Kulturhaus Neuzelle als sichtbares Zeugnis der DDR. Einst unter großer gemeinschaftlicher Beteiligung errichtet, war es lange Mittelpunkt des öffentlichen Lebens mit Tanzveranstaltungen, Konzerten, Filmvorführungen und Jugendangeboten.

Gerade im ländlichen Raum wird die Frage nach solchen „Dritten Orten“ immer wichtiger: Orte des Austauschs, der Kultur und des gesellschaftlichen Zusammenhalts, werden dringend benötigt. Während das Kloster diese Funktion bis heute erfüllt, steht das Kulturhaus seit Anfang der 2000er-Jahre leer. Welche Bedeutung haben solche Orte heute? Und welche Zukunft können sie für das gemeinschaftliche Leben auf dem Land haben? Darüber diskutierten wir nach einer Besichtigung beider Orte mit Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinde, der Stiftung Stift Neuzelle, der Architektenkammer Brandenburg und interessierten Bürgerinnen und Bürgern.

Anregungen gab es viele. Auch die Gemeinde selbst hatte über die Jahre schon viele Ideen für die Nutzung des Kulturhauses gesammelt, wie Neuzelles Bürgermeister Sven Budach berichtete. Ein Anliegen der Einwohner war es, Jugendlichen einen eigenen Ort zu geben und so richteten sie in Eigeninitiative zwei Räume für einen provisorischen Jugendclub her, der immerhin in den Sommermonaten genutzt werden kann. Weitere Ideen, so Budach, sind unter anderem die Nutzung durch lokale Vereine, durch die Tourist-Info und Gastronomie. 

Noch fehlt es zwar an einem Gesamtkonzept, um auf die Suche nach privaten oder öffentlichen Geldern gehen zu können, aber die Bausubstanz ist gut und die Verbundenheit der Bevölkerung mit ihrem Kulturhaus groß. Welche Funktion es für das öffentliche Dorfleben hatte und welche Goldene Energie in ihm steckt, veranschaulichte Leonie Ederer von der Bundesstiftung Baukultur bei einem Rundgang anhand von Plänen, Fotos und Zitaten von Zeitzeugen. Die Geschichte des Ortes hatte sie während des Architektur-Studiums für ihre Masterarbeit erforscht. 

Ganz anders stellt sich die Situation nebenan im Kloster dar. Seit 1996 befindet es sich im Besitz einer eigens gegründeten Stiftung des Landes Brandenburg, das der Stiftung neben der Klosteranlage auch über 11.300 Hektar Land rückübertragen hatte. Mit der Bewirtschaftung dieser Liegenschaften – vor allem Wald- und Agrarflächen – verdient die Stiftung Geld für Erhalt und Entwicklung des Klosters, so Norbert Kannowsky, der Geschäftsführer der Stiftung. 

Das Kloster wird heute vor allem touristisch, kulturell und schulisch genutzt. 

Seit einigen Jahren leben aber auch wieder Mönche im Kloster – allerdings nur vorübergehend. Sie wollen umziehen in einen von der mexikanischen Architektin Tatiana Bilbao entworfenen Neubau im Neuzeller Ortsteil Treppeln, wo der Zisterzienser-Orden ein altes Stasi-Gelände erworben hat. Noch 2026 soll mit dem Bau begonnen werden – als erster Klosterneubau in Brandenburg seit dem Mittelalter. Also, wer weiß? Vielleicht führt uns in ein paar Jahren eine Baukultur Sommerreise wieder in die Region zur Besichtigung des neuen Klosters.

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