Baukultur wird vor Ort konkret! Aber wo und wie? Der vergangene Freitag, 19. Juni 2026 war (ein Experiment für uns) und ein großer Erfolg für alle. Erstmalig fanden bundesweit Lange Tafeln der Baukultur statt. An 63 Tafeln entstand ein intensiver Austausch, der Menschen an besonderen Orten zusammenbrachte, um über die Zukunft ihrer Städte, Dörfer und Nachbarschaften zu reden.
Von der grünen Wiese in Kempten und Gorkow bis zum ehemaligen Dorfkonsum in Tantow in der Uckermark, von urbanen Quartieren in Berlin, Hamburg, Köln und Offenbach bis zu Hofanlagen in Mecklenburg-Vorpommern und im Allgäu: Die Langen Tafeln der Baukultur zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig die Auseinandersetzung mit unserer gebauten Umwelt sein kann.
Die Vielfalt der Orte zeigt sich auch in der thematischen Bandbreite. Die Gespräche finden dort statt, wo Veränderungen sichtbar werden und Entscheidungen konkrete Auswirkungen haben: auf ehemaligen Kaufhausflächen, in Kirchen, Schwimmbädern, auf Dorfplätzen, in neuen Wohnformen und Wohnquartieren in Straßenräumen oder Spielstraßen. Die Themen reichen vom Umbau sakraler Räume über die Nachnutzung von Warenhäusern bis hin zu Fragen der Mobilität, Nachhaltigkeit, Nachbarschaft und Prozesskultur.
Diese breite Mischung macht den besonderen Charakter der Langen Tafeln aus.
Besonders stark vertreten waren die Themen des öffentlichen Raums sowie Quartiers- und Arealentwicklungen. Jeweils zwölf Veranstaltungen beschäftigten sich mit der Frage, wie Plätze, Straßen, Grünflächen und neue Stadtquartiere gestaltet werden können. Beispiele dafür finden sich im Gründungsviertel in Lübeck, in Wolfsburg, auf dem Tempelhofer Feld in Berlin, im Kölner Entwicklungsgebiet Parkstadt Süd oder im neuen Heilbronner Stadtquartier Neckarbogen oder im Gewerbegebiet in Kahla.
Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Umnutzung bestehender Gebäude. Insbesondere Kirchen stehen dabei im Fokus. In Trier, Kelsterbach, Niddatal, Polenz, Koblentz und Oberhausen wurden Perspektiven für sakrale Räume diskutiert, deren ursprüngliche Nutzung sich verändert.
Lehmbau und Cradle-to-Cradle-Konzepte standen ebenso auf der Agenda wie die Zukunft leerstehender Warenhäuser, von Bildungsorten und Industriearealen im Wandel. So entstand ein facettenreiches Bild aktueller Herausforderungen und Chancen im Umgang mit dem gebauten Bestand. Aus ökologischen und ökonomischen Gründen und als Chance für neue gemeinschaftliche Nutzungen wird der Umbau zunehmend eine zentrale Aufgabe unserer Zeit.
Zahlreiche Lange Tafeln der Baukultur widmeten sich den Themen der Bildung, Beteiligung und Prozesskultur. Ob Baukulturklausur in Grimma, gebaute Bildung in München oder Barcamp in Frankfurt am Main – vielerorts stand die Frage im Mittelpunkt, wie Bürgerinnen und Bürger stärker in Planungs- und Entwicklungsprozesse eingebunden werden können. Baukultur ist dabei Ergebnis guter (Vor-)Planung und ein gemeinsamer gesellschaftlicher Prozess.
Auch der ländliche Raum war sichtbar vertreten. In Gorkow, Lenglern, Bärenweiler, Benediktbeuern oder am Altdöberner See wurde über die Zukunft von Dörfern, Hofanlagen und regionalen Identitäten gesprochen. Diese Perspektive erweitert den Blick auf Baukultur und zeigt, dass Fragen des Zusammenhalts, der Ortsentwicklung und der nachhaltigen Nutzung von Bestandsgebäuden überall relevant sind.
Die Langen Tafeln der Baukultur zeigen wie wichtig Baukultur ist. Sie ist ein gesellschaftlicher Dialog über die Räume, in denen wir wohnen, lernen, arbeiten, gesund werden und uns begegnen und wie wir sie gestalten.
Die besondere Stärke der Langen Tafeln der Baukultur liegt in der Vielfalt der Maßstäbe, Akteurinnen und Akteure sowie Themen. Genau dort, wo Menschen an einem Tisch zusammenkommen, entstehen neue Perspektiven für die Zukunft unserer gebauten Umwelt.
Zur Dokumentation der Langen Tafeln der Baukultur.
Wir setzen den Dialog fort!