Siegen

Vom Asphalt befreit

Was in Siegen seit 1991 als Idee kursierte, wurde 2012 Realität: der Rückbau der autogerechten Stadt durch den Abriss der sanierungsbedürftigen Siegplatte, einer 260 Meter langen Parkpalette über der Sieg. Dadurch sollten neue Verbindungen zwischen der Unterstadt und der gegenüberliegenden Oberstadt entstehen. Letztere hatte eine Belebung nötig, seit sie 1998 durch ein Einkaufszentrum in der Unterstadt ins Hintertreffen geraten war. Weil Kritik am Verlust von Parkplätzen laut wurde, bezog man die Einzelhändler in die Jury des Realisierungswettbewerbs ein, den das Landschaftsarchitekturbüro Atelier Loidl und das Ingenieurbüro BPR gewannen. Nach ihrem Konzept wurden neue Brücken errichtet, die Sieg renaturiert und über eine Freitreppe mit Sitzstufen sowie eine Rampe zugänglich gemacht. Die wichtige Sandstraße wurde von vier auf zwei Fahrspuren verengt und die in die Oberstadt führende Fußgängerzone neu gestaltet. Den Stadtumbau begleitete eine breite Öffentlichkeitsarbeit: eine eigene Webseite, Baustellenführungen mit dem Bürgermeister, eine Abstimmung über den Standort zweier Statuen, eine Schul-Malaktion auf der Siegplatte und ein Abrissfest.

Das nahe gelegene Untere Schloss machte man zum innerstädtischen Standort der Universität, womit man zugleich ein größeres und junges Publikum für die neuen öffentlichen Räume gewann. Als „Siegtreppe“ ist der neue Mittelpunkt der Stadt heute von Studierenden und Einkäufern besetzt, Kinder spielen im Wasser. Doch die Impulse reichen viel weiter: neue Gastronomie und neue Läden haben eröffnet, die Oberstadt erholt sich langsam und die Universität möchte ihren neuen Standort erweitern. (Mehr Informationen zum Projekt im Baukulturbericht 2018/19)

Planungszeitraum 2011–2016
Auftraggeber Stadt Siegen
Architekt / Planer

Atelier LOIDL Landschafts- architekten, Berlin; BPR Dr. Bernhard Schäpertöns Consult, München

Baukosten brutto 14 Mio. Euro
Nutzungen Freiraum