Tenne und Werkhaus, Uckermark

Das Neue im Alten

In einem kleinen Dorf inmitten der Uckermark befindet sich die TENNE. Ein großer Stall wurde in einen Landsitz mit separat nutzbarer Ferienwohnung umgewandelt. Vor 140 Jahren war er in einer Mischkonstruktion aus massivem Ziegelsteinmauerwerk und Holzgebinde errichtet worden – zu seiner Zeit ein hochmoderner Funktionsbau. Nachdem der Junker vertrieben und das Land zerteilt war, wurde die Anlage baulich für zwei Siedlerfamilien samt Vieh in eine Doppelhaushälfte umgenutzt und stand zuletzt leer. Die eine Hälfte wurde nun für eine junge Familie so umgestaltet, dass die Sprache des Hauses adaptiert wurde, um es mit seinen eigenen Mitteln und Regeln neu zu erfinden. Dieser ehemalige Kuhstall mitsamt der Scheune ist ein äußerst stabiles Gebäude mit dicken Stein- mauern, kleinen Fenstern im Obergeschoss und einem großen Holztor. Die eigene Schönheit des rohen Tragwerks und die Größe des Raumes wurden jedoch erst durch die Entkernung wieder erlebbar, bei der das Holztragwerk größtenteils ausgetauscht werden musste. Als Sommerhaus ist das Gebäude so konzipiert, dass die große Halle unbeheizt ist und von einem geschlossenen beheizten Raumkörper umfasst wird. So können zu kalten Jahreszeiten nur die kleineren und geselligeren Bereiche des Hauses ähnlich wie Vogelnester genutzt werden. Die Wände der beheizten Räume wurden innen gedämmt und mit einer Wandheizung unter einem Lehmputz versehen. Alle Räume, ob beheizt oder unbeheizt, weisen die gleiche Oberflächenqualität auf.

Im Nachbarort steht das WERKHAUS. Das Gebäude wurde 1987 als Schlosserei und Schmiede mit angrenzendem Verwaltungsbereich für die LPG Gerswalde errichtet und nunmehr für einen Produktentwickler und Tischler teils umgebaut, teils durch Neubauten ersetzt. Der gesamte Bau wurde mit einer neuen Haut aus grünem Wellblech bekleidet, die sich, an der Traufkante abgerundet, weich über Dach und Außenwände zieht und sich so sanft in die flache Hügellandschaft der Uckermark einfügt. Fenster und Werkstore verschwinden fast vollkommen hinter perforierten Paneelen. An den Giebelseiten prägt eine den umliegenden Scheunen entliehene unbesäumte Stülpschalung aus Lärchenholz das Erscheinungsbild des Gebäudes. Im Inneren gliedert sich das Gebäude entsprechend seiner volumetrischen Außenform in drei Einheiten: Werkstatt, Wohn- und Wirtschaftsteil. Bei dem letzteren, mittleren Teil wurde die vorhandene Konstruktion vollkommen abgerissen und eine neue Holzkonstruktion errichtet, die in Höhe und Form zwischen dem ehemaligen Flachbau und der Werkstatt vermittelt. Diese beiden Projekte zeigen den durchaus unterschiedlichen und jeweils spezifischen Umgang mit Substanz.

Dieses Projekt wurde im Rahmen der Baukulturwerkstatt "Umbaukultur" in Bochum vorgestellt.

Fertigstellung 2014
Auftraggeber Privat
Architekt / Planer

Thomas Kröger Architekten 

Größe / Fläche 266 qm (beheizte Wohnfläche)
Nutzungen
Arbeiten
Wohnen