Dorfentwicklungsplan und Bürgerbeteiligung

Baukultur in Weyarn

Die Baukultur in Weyarn geht davon aus, dass ein ausführliches Bodenmanagement der Planung vorausgehen muss. Das heißt, dass die Gemeinde die Verfügbarkeit über Grund und Boden sicherstellen muss, bevor sie plant. Planung soll nicht den Privatinteressen überlassen werden. In Weyarn stellt eine nachhaltige Bodenpolitik die Grundlage von Baukultur dar. Die Gemeinde hat deshalb, ausgehend von den gesetzlichen Normen und Programmsätzen, ein eigenes bodenpolitisches Modell entworfen. Mit diesem Modell verfügt Weyarn heute über einen großen Bodenvorrat, der seinerseits wieder als Tauschmasse eingesetzt wird und der Gemeinde – verbunden mit den bodenpolitischen Planungsinstrumenten – eine große Freiheit für die Praktizierung von Baukultur gibt.

Die Planung wiederum beruht auf einem offenen Dialog zwischen Betroffenen, Experten und politisch Verantwortlichen. Dieser Dialog findet im Ordnungsrahmen eines partizipativ erarbeiteten Leitbilds statt, welches wiederum auf einer gemeinsam erarbeiteten Bestandsaufnahme beruht. Auf dieser Grundlage wurde ein Dorfentwicklungsplan beschlossen, der einen umfänglichen Maßnahmenkatalog enthält. Dabei ist Baukultur eines von vielen Handlungsfeldern, die alle der Bürgerbeteiligung zugänglich sind. Nur eine partizipativ erarbeitete Zielsetzung ist politisch nachhaltig umsetzbar.

Die Erkenntnis, dass Bürgerbeteiligung Entscheidungen nachhaltiger macht, mag auf der in der Gegend historisch gewachsenen Benediktinerregel (die an den Abt gerichtet war) beruhen: „Wenn Du etwas Wichtiges zu entscheiden hast, rufe alle zusammen. Denn es könnte sein, dass der Herr die Gnade der Erkenntnis auch dem Jüngsten zuteil werden lässt.“ Die Gemeinde Weyarn hat sich deshalb ein gewachsenes Zwei-Säulen-Modell der Bürgerbeteiligung geschaffen.

Dergleichen gibt es im Ländlichen Raum, wenn auch in unterschiedlichen Formen, häufiger als man denkt. Die dem Ort angemessene Raumplanung und Gestaltqualität wird unterstützt durch die ständige Begleitung eines Dorf- und Stadtplaners, durch die Teilnahme des Kreisbaumeisters an allen Bauausschusssitzungen, durch eine kostenlose Bauberatung aller Bauwerber und ihrer Architekten, durch eine kostenlose Energieberatung und durch das neu hinzugefügte Leitbild der Barrierefreiheit und der Möglichkeit des Mehrgenerationenwohnens.

Dieses Projekt wurde im Rahmen der Baukulturwerkstätten 2015 in Frankfurt vorgestellt.

Fertigstellung unterschiedlich
Planungszeitraum 1999 bis heute
Auftraggeber Gemeinde, Vereine, Investoren, Private
Architekt / Planer

Behnisch, Leupold, Team 4, Schwanck, Reichenbach-Klinke

Planungsbeteiligte Nutzer, Betroffene, Bürger, Experten, politisch Verantwortliche
Größe / Fläche von 500 qm bis fünf Hektar
Nutzungen
Beteiligungskultur
ländliche Räume