Jenaplanschule Am Hartwege, Weimar
Innovativer Schulbau durch partizipative Planung in der Phase Null
© Thomas Müller
© Thomas Müller
Wie ein partizipativer Planungsprozess von der Phase Null an und über den gesamten Planungsprozess innovative Schulbauten hervorbringen kann, zeigt der Neubau der Jenaplanschule in Weimar. Das Projekt entstand als Forschungs- und Modellvorhaben, das neue Planungsprozesse und räumliche Konzepte für den Schulbau erprobte. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich zukunftsgerichtete pädagogische Anforderungen konsequent in Architektur übersetzen lassen.
Es entstanden Neubauten, deren Planung konsequent aus den Bedürfnissen der späteren Nutzerinnen und Nutzer entwickelt wurden. Bereits in der Phase Null wurden Lehrkräfte, weitere pädagogische Mitarbeitende, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Verwaltung, IBA Thüringen, Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft sowie das Quartier in die Bedarfsplanung einbezogen. In Workshops, Exkursionen und gemeinsamen Arbeitsprozessen wurden Raumbedarfe, pädagogische Abläufe und räumliche Qualitäten definiert. Ein Schulbauberatungsteam aus Architektur und Pädagogik koordinierte und begleitete den kontinuierlichen Austausch zwischen allen Beteiligten, während eine digitale Plattform sämtliche Planungsunterlagen und Entscheidungen transparent dokumentierte.
Architektonisch entstand ein Ensemble aus drei dreigeschossigen Betonskelettbauten mit außenliegenden Treppen und Balkonen. Das Tragwerk ermöglicht weitgehend stützenfreie Grundrisse, die durch Trennwände, Vorhänge und Einbaumöbel an unterschiedliche Lernformen und veränderte zukünftige Nutzungen angepasst werden können. Eine Reduzierung der beheizten Flächen, der Verzicht auf eine mechanische Be- und Entlüftung, eine Luft-Wärmepumpe in Kombination mit Photovoltaik sowie die grundsätzliche Lowtech-Strategie tragen zu einem energieeffizienten Gebäudebetrieb bei. Auch der Innenausbau folgt dem Prinzip der Anpassungsfähigkeit. Sichtbeton, unverputzte Wände, die Trennung von Rohbau und Ausbau und offen geführte Installationen schaffen einen robusten, langlebigen Schulbau und erleichtern spätere Umnutzungen. Die mintgrüne Metallfassade sowie die Balkone prägen den eigenständigen Charakter des Gebäudes.
Die Beteiligung der Schulgemeinschaft endete nicht mit der Planung. Im Rahmen einer Selbstbauwoche fertigten Schülerinnen und Schüler gemeinsam Möbel, Podeste und Garderoben für ihre neue Schule an und wurden so unmittelbar in den Bauprozess eingebunden. Dadurch entstand nicht nur eine hohe Identifikation mit dem Gebäude, sondern Partizipation wurde als Teil der Architektur praktisch erfahrbar. Eine Phase Zehn ist in Planung.
Als Forschungsprojekt wurden sämtliche Planungsprozesse, Entscheidungen und Kosten dokumentiert und über die Open-Source-Plattform der Montag Stiftung öffentlich zugänglich gemacht. Der Neubau dient damit als übertragbares Modell für zukünftige Schulbauvorhaben und zeigt, dass eine frühzeitige Beteiligung aller Akteurinnen und Akteure, kombiniert mit einer kritischen Auseinandersetzung mit bestehenden Standards und Normen, zu einer bedarfsgerechten und zukunftsfähigen Lernumgebung führen kann.
Das Modellprojekt zeigt, wie zukunftsfähiger, nachhaltiger und finanzierbarer Schulbau realisiert werden kann. Die Jenaplanschule ist eine der Preisträgerinnen des Deutschen Schulpreises 2025.
Projektbeispiel zum Ettersburger Gespräch 2026
| Rubrik | Öffentliches Bauen Beteiligungskultur Public construction Participatory culture |
| Region | Thüringen |
| Standort | Weimar |
| Bauherr | Stadt Weimar |
| Projektbeteiligte | Jenaplanschule Am Hartwege, Weimar |
| Planungszeitraum | Phase Null: ab 2016 (Pilotprojekt „Inklusive Schulen planen und bauen“ der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft). Planung nach HOAI Leistungsphasen: ab 2018. Baubeginn: 2021 Fertigstellung: 2025 |