Bahnhof Sangerhausen – Mit neuen Nutzungen zum Willkommenstor der Stadt

© Andreas Meichsner
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Wie in vielen Kleinstädten hat auch in der Berg- und Rosenstadt Sangerhausen im Südwesten Sachsen-Anhalts die Deutsche Bahn ihr Bahnhofsgebäude aufgegeben. Mit dem Ende des Bergbaus 1990 setzte ein wirtschaftlicher Wandel in der Region ein, in dessen Folge Sangerhausen fast ein Drittel seiner Bevölkerung verlor. Mit Mitteln der Programme „Städtebaulicher Denkmalschutz“ und „Stadtsanierung“ konnten Teile der Altstadt saniert werden, der nördlich gelegene Bahnhof stand jedoch seit Ende der 1990er-Jahre weitgehend leer. Das 1963 eingeweihte Gebäude gilt als erster Bahnhofsneubau der DDR und ist zusammen mit dem Vorplatz und einem Rundkiosk denkmalgeschützt. 2009 kaufte die Stadt das Ensemble, bestehend aus einer großzügigen Empfangshalle mit zwei Nebenflügeln, undverkaufte es 2012 an ihre städtische Wohnungsbaugesellschaft SWG. Durch eine Zusammenarbeit verschiedener städtischer Institutionen und die Ansiedlung öffentlicher Einrichtungen konnte der Bahnhof wieder belebt werden. 

Zunächst war jedoch sicherzustellen, dass neben den lokalen Genehmigungsbehörden nicht auch das Eisenbahnbundesamt zuständig sein würde. Dazu musste das Stationsgebäude von allen Bahnanlagen losgelöst werden. Das Sanierungskonzept der Leipziger S&P-Gruppe sah einen weitgehenden Erhalt der originalen Bausubstanz insbesondere in der Empfangshalle und an den Fassaden zum Vorplatz vor. Diese sind mit hochkant gesetzten blauen Spaltklinkern versehen, die aufgearbeitet wurden. Am linken Seitenflügel wurden zwei Türen verschlossen und den übrigen Fensterfeldern angeglichen. Wegen der geschützten Fassade wählte man hier eine Innendämmung. Um einer sommerlichen Überhitzung der Bahnhofshalle vorzubeugen, wurde eine energetisch optimierte Pfosten-Riegel-Fassade nach dem historischen Vorbild neu gebaut, wobei Rauchabzugsöffnungen integriert wurden. Die originale Bahnhofsuhr wurde um einen gestalterisch passenden Schriftzug „Bahnhof“ ergänzt. In der Halle wurden die fast schadlosen Terrazzo-Bodenplatten gereinigt und ein farblich passender Blindenleitstreifen integriert. Auch die bauzeitlichen Pendelleuchten bedurften lediglich der Säuberung – ebenso das farbenfrohe Wandmosaik von Wilhelm Schmied. Es zeigt Motive aus dem Alltag des Mansfelder Landes: Landwirtschaft, Bergbau und Hüttenwesen, aber auch eine Gruppe Radsportler. Putzflächen wurden entsprechend ihrer Erstfassung wiederhergestellt, sodass das stimmige Farbkonzept aus Blau, Hellrot, Beige und Grau erneut zu erleben ist. Die Schaufensteranlage des Empfangsgebäudes wurde in die Halle hinein erweitert. Dort ist nun ein Buchladen eingezogen. In der Halle wurde eine in die frühere Mitropa-Gaststätte führende Treppe entfernt, aus ihren Werksteinstufen entstanden Sitzbänke. Der rechte Seitenflügel, der einst als Gepäckdepot und Werkstatt diente, erhielt größere Fenster und ist nun als Teil der Gesamtanlage erkennbar. In ihm befindet sich ein Restaurant mit öffentlich nutzbaren Sanitäranlagen. In den linken Seitenflügel sind die Stadtbibliothek und ein Bürgerbüro eingezogen. Im Hauptgebäude sind u. a. die Touristeninformation, ein städtischer Versammlungsraum, zwei Läden sowie ein Reisecenter der DB und ein Servicepoint des Nahverkehrsanbieters Abellio Rail Mitteldeutschland untergekommen. Am Vorplatz wurden u. a. ein Radpavillon errichtet und Taxistellplätze ermöglicht. 

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar, wird der Bahnhof durch zusätzlichen Publikumsverkehr und neue Nutzergruppen belebt. Als einladendes, lebendiges Denkmal hat Sangerhausen mit dem Bahnhof ein neues Aushängeschild erhalten.

Aus dem Baukulturbericht 2018/2019 “Erbe – Bestand – Zukunft”

Rubrik Freiraum
Infrastruktur
Öffentliches Bauen
Ländliche Räume
Infrastructure
Public construction
Rural spaces
Region Sachsen-Anhalt
Bauherrin SWG Städtische Wohnungsbau GmbH Sangerhausen
Planung

S&P Sahlmann Planungsgesellschaft für Bauwesen mbH, Leipzig; plandrei LandschaftsarchitekturGmbH, Erfurt; HKL IngenieurgesellschaftmbH, Erfurt 

Fertigstellung 2016
Planungszeitraum 2014 - 2016
Größe / Fläche 4.200 m²
Baukosten 7 Mio. Euro
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