BAUKULTUR_IM_DIALOG "Baukultur im Klimawandel" am 9. Mai 2011 im Deutschen Architekturzentrum, Berlin Foto: Till Budde, Berlin, 2011 für die Bundesstiftung Baukultur

13.05.2011
[Pressebericht] Die Bundesstiftung plädiert für Baukultur im Klimawandel

Vorstandsvorsitzender Michael Braum: In der Klimadebatte muss das Planen und Bauen als Kultur- und nicht nur als Effizienzleistung sichtbar werden.

Am Montag, 9. Mai 2011 hatte die Bundesstiftung Baukultur in das Deutsche Architektur Zentrum in Berlin zu einer öffentlichen Debatte mit Bauherren, Planenden und der Immobilienwirtschaft über „Baukultur im Klimawandel“ geladen.

Im gut besuchten Taut-Saal diskutierten Michael Braum (Bundesstiftung Baukultur), Christoph Mäckler (Prof. Christoph Mäckler Architekten, Frankfurt), Boris Palmer (Oberbürgermeister der Stadt Tübingen), Kathrin Möller (GAG Immobilien AG, Köln) und Matthias Schuler (Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart) über ihre Positionen zum Bauen in Zeiten des Klimawandels unter der Moderation von Dieter Bartetzko (Frankfurter Allgemeine Zeitung).

Zum Anlass der Diskussion hatte die Bundesstiftung Baukultur eine drohende „dritte Welle der Zerstörung“ unserer Städte und Landschaften genommen, eine Gefahr, die zunehmend in der Fachwelt wahrgenommen wird. Doch wie kann das Ziel der Bundesregierung erfüllt werden, mit ihrem Energiekonzept den Gebäudebestand in Deutschland bis zum Jahr 2050 soweit zu modernisieren, dass der Gebäudesektor klimaneutral wird, ohne dass mit den engergiesparenden Maßnahmen wie Außendämmung, Solarpaneelen oder Windkraftanlagen massiv in das baukulturelle Erscheinungsbild unserer Umgebung eingegriffen wird?

Michael Braum, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, unterstützt die Notwendigkeit klimaverantwortlicher Maßnahmen, er plädiert dabei jedoch für eine „Baukultur im Klimawandel“, der auch die Ausgestaltung der Förderprogramme Rechnung tragen muss: "Programme dürfen die CO2-Minderung im Regelfall nur fördern, wenn sie mit gestalterisch und funktional anspruchsvollen Gebäudekonzepten einhergehen, die den städtebaulichen und landschaftlichen Kontext akzeptieren.“

Für alle Förderprogramme sind integrierte Betrachtungen unter Berücksichtigung größerer Maßstabsbezüge notwendig. „Wir brauchen in erster Linie Instrumente zur tatsächlichen Förderung dichter und funktionsgemischter Quartiere. Wenn wir Bauen im Klimawandel als ganzheitliche Planungsaufgabe betrachten, dürfen wir nicht nur Haus für Haus, Solarpaneel um Solarpaneel, berechnen. In “energetischen Nachbarschaften“ sollte ein Plusenergiehaus im Neubau beispeilsweise mit einem historischen Altbau „verechnet“ werden“, erläutert Michael Braum. In diesem Sinne muss es  darum gehen, alte und werthaltige Bausubstanz so energieeffizient umzubauen, dass diese weiterhin in Würde und mit einem hohen Gestaltanspruch altern können. „Die Förderrichtlinien für den energetischen Umbau von Bestandsbauten müssen nach Lage, Alter und baukulturellem Wert differenzieren“, folgert Braum.

Die Identität und das Bild unserer Städte werden von der Heterogenität seiner Bauten und Orte als Ausdruck ihrer Geschichte und den jeweiligen gesellschaftlichen Anforderungen geprägt. Kein Zeichen von Baukultur wäre es hingegen, diese spannungsreiche Mischung nur nach klimaverantwortlichen Aspekten für eine möglicherweise effiziente, jedoch einheitliche und ausdruckslose „Verpackung“ zu opfern, wie es sich in vielen aktuellen Sanierungs- und Neubaumaßnahmen zeigt.

„In der Debatte um Bauen in Zeiten des Klimawandels muss die Komplexität unserer Wirklichkeit einziehen. Das Planen und Bauen muss dabei als Kultur- und nicht nur als Effizienzleistung sichtbar werden“, fasst es Michael Braum zusammen.

Die Bundesstiftung Baukultur wird sich in 2011 auch weiterhin dem Bauen in Zeiten des Klimawandels widmen. Für 2011 ist ein neues diskursives Format zu diesem Themenschwerpunkt in Planung. In diesem Rahmen wird die Veranstaltung BAUKULTUR_IM_DIALOG „Baukultur im Klimawandel“ mit ausgewählten Beiträgen dokumentiert und mit weiteren entscheidenden Positionen ergänzt werden.

Mit „Baukultur im Klimawandel“ befassen sich die Bundesstiftung und ihr Förderverein auch bei dem Central European Project “EnSURE”, dass 13 Partner aus Zentraleuropa in der Diskussion einer ganzheitliche Betrachtung und einer integrierten, nachhaltige Entwicklung von Stadtquartieren zusammenbringt. Der Förderverein Bundesstiftung Baukultur e.V. erstellt projektbegleitend bis 2013 eine Broschüre zum Thema "Baukultur und Klimaschutz" mit konkreten Handlungsempfehlungen für das Bauen im Klimawandel (www.ensure-project.eu).

Das ausführliche „Plädoyer für Baukultur im Klimawandel“ von Michael Braum finden Sie nebenstehend.


Anneke Holz. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesstiftung Baukultur. Schiffbauergasse 3. 14467 Potsdam

Tel: 0331 20 12 59 14 –  Fax: 0331 20 12 59 50

presse@bundesstiftung-baukultur.de – www.bundesstiftung-baukultur.de