
Seit einigen Jahren erlebt der Begriff der Baukultur in Deutschland eine Hochkonjunktur. Doch trotz intensiver Debatte über die Kultur des Bauens erhebt sich die architektonische und städtebauliche Wirklichkeit zwischen Nordsee und Alpen nur selten über das Mittelmass hinaus. Wunsch und Wirklichkeit sind halt nicht dasselbe. Gleichwohl gilt – wie der Blick in die Vergangenheit zeigt – der Grundsatz: Sag mir, wie du baust, und ich sage dir, wer du bist. Mit ihrer schwergewichtigen Untersuchung zur Geschichte der Baukultur in Deutschland von der Zeit um 1900 bis zur Gegenwart unterstreichen Werner Durth und Paul Sigel auf knapp 800 Seiten nun die Rolle der Baukultur als «Spiegel gesellschaftlichen Wandels». Dabei zeigt sich, dass sich unter dem Deckmantel der programmatischen Suche nach dem gültigen «Zeit-Stil» ein von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wechselnder Versuch der kulturellen Selbstvergewisserung verbirgt. Die Stilsuche war stets eine Suche nach den drängenden Antworten auf die Herausforderungen der Zeit inmitten eines als immer rasanter empfundenen Wandels, der alle Bereiche des Lebens ergriff. In der Radikalität dieser Veränderungsprozesse unterscheidet sich die Zeit um 1910 dabei kaum von der Gegenwart. {...}
Zu den Verdiensten der Veröffentlichung von Durth und Sigel gehört es, dass sie nicht nur eine gut lesbare und materialreiche Bau(kultur) geschichte liefert, sondern sich auch der Begriffsgeschichte der Baukultur widmet. {...}
Lesen Sie die vollständige Buchrezension von Jürgen Tietz, erschienen am 24.12.2009 in der NZZ, im nebenstehenden PDF.
Die Publikation ist für 49,80 Euro über den Buchhandel zu beziehen.
ISBN 978-3868590104



