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Wie findet Freiraum Stadt?

Als öffentlicher Raum per se bilden urbane Freiräume die Grundlage jeder Auseinandersetzung mit der „Baukultur des Öffentlichen“.

Obwohl sich die Gesellschaft hier eine Bühne gibt, ist die Gestaltung von Freiräumen an vielen Stellen von Partikularinteressen, Achtlosigkeit oder gar Resignation geprägt. Im Alltag werden Straßen, Plätze und Parks von funktionalen, sicherheitstechnischen und ökonomischen Aspekten dominiert. Mehr noch: man sieht es ihnen an. Wie aber kann eine Wertschätzung unseres Gemeinwesens hier als Baukultur zu Tage treten?

Freiräume sind die Orte des zufälligen Zusammentreffens unterschiedlicher Lebenswelten, ob auf Plätzen, in Parks, in oder zwischen unterschiedlichen Verkehrsmitteln. Gerade bei der Integration von Verkehrsfunktionen wird einem Gestaltungsanspruch selten genüge getan. Zudem wird ein baukulturelles Miteinander der Akteure und Disziplinen bei Nutzungsanforderungen und Qualitätsmaßstäben umgesetzt. Somit stellt sich der öffentliche Raum unserer Städte auch aufgrund mangelnder Pflege als Freiraum dar, der für das Zusammenspiel weder der Menschen noch der Gebäude eine wertige Grundlage bildet. Wie aber kann Baukultur den urbanen Freiraum im städtischen Alltag zum identitätstsiftenden Baustein der Gesellschaft machen?

Wie findet Freiraum Stadt?
Fakten, Positionen, Beispiele

Michael Braum, Thies Schröder (Hg.) 

Im öffentlichen Raum bildet sich Gesellschaft ab, nirgendwo sonst verschränkt sich Baukultur so mit dem Alltag der Bevölkerung. Ob als Möglichkeitsraum sozialer Aneignung und interkultureller Begegnungen, als Aufenthaltsort oder als eine Struktur und Identität gebende Abfolge aus Straßen und Plätzen, ob als Ort der Erholung im Grünen oder als Ort der Gartenkunst – der städtische Freiraum ist Handlungsraum für unterschiedlichste Akteure und gestalterische Konzeptionen. Das Buch stellt das aktuelle Spektrum dieser Freiräume dar, reflektiert zukunftsweisende Ansprüche und stellt gebaute Beispiele und baukulturelle Empfehlungen zur Diskussion.

Seiten: 136
Abbildungen: ca. 90 in Farbe, 40 s/w, 30 Zeichnungen
Format: 19,0 x 28,0 cm
Einband: Broschur
Preis: EUR (D) 24.90 / CHF 32.90
ISBN: 978-3-0346-0363-8

inhaltsverzeichnis-freiraum.pdf

Freiraum Bericht Inhalt

Projektbeispiele

Marktplatz Halle/Saale

Zum 1200-jährigen Jubiläum erhielt der Marktplatz ein neues Gesicht. Er zeichnet sich durch seine Nutzungsoffenheit bei gleichzeitiger Gestaltqualität aus. Eine klare Gliederung trotz der Funktionsvielfalt wurde durch die Bodenbeläge in verschiedenen Formaten erreicht. 

Zeitspu(e)ren, Schmalkalden

Zentrale Idee der Umgestaltung und des denkmalpflegerischen Weiterbauens in Schmalkalden war die Neugestaltung des Stadtbodens. Durch die Verwendung unterschiedlicher Materialien und Formate konnten die verschiedenen (Stadt-) Räume aufgezeigt werden und auf diese Weise sowohl Rückbesinnung als auch Zukunftsfähigkeit im öffentlichen Raum verdeutlicht werden. 

Ernst-Thälmann-Platz, Baruth/Mark

Jahrelang durch die Bauruine eines Kulturhauses der DDR geprägt, wurde der neue Dorfanger bewusst als Identifikationszentrum geschaffen. In gewählter Assoziation zum Baruther Urstromtal, wurde mit zeitgenössischer Landschaftsarchitektur ein offener Grünzug konzipiert, der kein Schmuckplatz sein soll. 

Landschaftspark, München Riem

Der Riemer Park zählt zu den größten Freianlagen Münchens und zeigt Freiraum als zentralen Bestandteil im Städtebau. Durch die Integration von Stadt, Park und Landschaft wird das Projekt einer nachhaltigen Stadtentwicklung gerecht. 

Raumbachtal, Reichenbach

Durch die Umgestaltung des Raumbachtals wurde aus dem teils ruinösen Industriegebiet die Schauseite der Stadt. Durch unterschiedliche Freiraumangebote liefert der Park den Besuchern neue Identifikationsmöglichkeiten, während die regionalspezifische Gestaltung fast beiläufig Bezüge zur Stadt herstellt. 

Aufheben der Mitte, Staßfurt

Über Jahrzehnte entstand unter der Altstadt ein Bergsenkungsgebiet, das die Neugestaltung der Stadtmitte dringend notwendig machte. Mit der Umgestaltung erhielt die Stadt eine neue Mitte und einen neuen Identitätsort. 

Stadteingang, Bonn

Der Stadteingang Bonn zeigt das gestalterische Potential der Resträume des Verkehrs. Hier wurde in der kontrastiven Verbindung von Straßenraum und angelegtem Garten das Entree in die Stadt als repräsentativer Raum neu definiert.

Schloßpark Finsterwalde

Mit dem neuen Schlosspark, der traditionelle Strukturen zeitgenössisch interpretiert, erhält Finsterwalde einen Freiraum, der die räumliche Teilung der Stadt überwindet und mit dem Schloss als Mittelpunkt einen neuen Identifikationspunkt schafft. 

Quartiersplatz Saarbrücken-Brebach

Der Quartiersplatz entstand im Rahmen des Bundesprogrammes „Soziale Stadt“ als erster öffentlicher und zentraler Platz in Brebach. Er zeigt, wie Freiräume benachteiligte Quartiere aufwerten und zur Verbesserung der sozialräumlichen Situation beitragen können.

Stadtumbau im Schorfheideviertel, Berlin

Die Umgestaltung des Schorfheideviertels zeigt sowohl die Herausforderung, die dem Rückbau von Plattenbausiedlungen erwächst als auch die Chancen einer Aufwertung dieser speziellen Wohnanlagen durch neue Nutzungskonzepte. 

Stadtteilpark Rabet, Leipzig

Die Schrumpfungsproblematik der Stadt wurde in die Freiraumentwicklung im Rahmen des Programms „Stadtumbau Ost“ integriert. Der Stadtteilpark Rabet dient als Rückgrat für das Quartier und ermöglicht die qualitative Aufwertung des öffentlichen Raumes. Die intensive Beteiligung der Anwohner im Planungsprozess führte zu einer nutzerorientierten Gestaltung.

Garten Duett, Berlin

Der Garten als öffentlicher Raum ist eher die Ausnahme als die Regel. Mit dem Garten Duett wurden in Berlin Köpenick im Bereich der Altstadt zwei vernachlässigte Brachen in Gärten umgewandelt, die Licht und Schatten thematisieren und sowohl neue Rückzugspunkte als auch Anziehungspunkte in der Altstadt bilden.

Havenwelten, Bremerhaven

Alte Hafenräume können zu neuen Lebensräumen werden. In Bremerhaven entstand als erster Baustein der Stadtentwicklung mit einer einfachen ortsspezifischen Gestaltung ein neuer Freiraum, der das Ensemble aus neuen Gebäuden und alter Hafenanlage entlang der Wasserkante verbindet. 

Umgestaltung Uferzonen, Wuppertal

In der Umgestaltung der Uferzone der Wupper wurde die Bedeutung des Flusses für die Stadt herausgearbeitet und eine Perspektive auf Freiräume aufgezeigt. Durch kleinste Eingriffe wie beispielsweise neue Plätze und Balkone wurde der vernachlässigte Raum zum attraktiven öffentlichen Ort.

Jungfernstieg, Hamburg

Durch privates Engagement wurde die Neugestaltung des Jungfernstiegs möglich, der durch die innovative Gestaltung als öffentlicher Ort neu interpretiert wurde und als neue Visitenkarte der Stadt gelten kann.